Wie wird man ein guter “Frauenfotograf”?

Man muss die Frauen lieben …

Nein, ich meine das nicht sexuell. Deshalb ziehe ich meine “Frauen” auch nicht aus …

Es hat etwas mit “Passion” zu tun. Der englische Begriff ist etwas neutraler als unser Leidenschaft. Das wird leider gerade in der heutigen Zeit mit unter der Gürtellinie verwechselt.

Man kann das auch auf “Männer” portieren, was dann auch erklärt, warum die besten “Männerfotografen” Frauen sind. Im Fashionbereich ebenfalls, aber das liegt an der natürlichen Beziehung zur Mode, die den meisten männlichen Fotografen abgeht. Auch hier muss man das Thema “lieben” (weshalb ich ausscheide).

Nebenbei, nicht jedes Bild auf dem eine Frau erscheint, ist ein Frauenportrait. Ganz im Gegenteil, Fashion oder fashion-like ist Produktfotografie. Es geht nur um das Outfit usw. und nicht um den “lebenden Kleiderständer”. Der Mythos “Supermodel”, hat hier einiges zerstört und ich glaube die Branche ist nicht wirklich glücklich darüber.

 

“Schau mal blöd und bleib so”

Ich sehe täglich dutzende (fashion-like)Bilder von hübschen Modellen, wo der Fotograf dies gesagt haben könnte. Ist wahrscheinlich nicht der Fall, aber das Ergebnis. Es wird vom Modell versucht einen “erotischen” und leicht arroganten Eindruck zu erzeugen, wie sie es von Magazin-Covern gesehen hat. Im Fashion-Bereich kann man das so machen (muss man aber nicht). Im Portraitbereich ein “no go”.

Das erste was man im Portraitbereich als Fotograf lernen muss, ist den Unterschied zwischen Fashion, Erotik und Portrait zu erkennen. Wer dies vermischt, wird in keinem der Bereiche erfolgreich sein. Nicht Fisch, nicht Fleisch, sagt der Volksmund dazu.

 

 

Egal, ob man Frauen, Autos, Landschaften oder Architektur fotografiert, man muss das “Objekt das man fotografiert” lieben. Hat man die falschen Gedanken z,B. sexuell, so zeigt sich das in den Bildern. Deshalb ist auch fast alles was ich im Bereich Erotik heutzutage sehe für mich Schund. Es ist fast immer schwanz- und nicht kopfgesteuert.

 

 

Es hört sich hochtrabend, vielleicht sogar kitschig an, aber

man sollte die natürliche Schönheit wirklich lieben. Die Formen, wie den Ausdruck. Man muss mit dem Herzen sehen

 

 

Erst wenn ich eine Frau sehe, bei der man als Mann einen “Kniefall” machen möchte, laufe ich zu Höchstform auf. Das hat weniger mit dem Aussehen als mit der Persönlichkeit zu tun. Kommt beides zusammen, ist es der Jackpot.

 

 

Eigentlich gibt es für einen “Frauenfotografen” nicht schöneres als ein Bild das natürliche zeitlose Schönheit zeigt. Wobei Schönheit nicht die “klassische”, oftmals unnatürliche, Schönheit der Magazine gemeint ist. Die landen nach dem lesen im Mülleimer, ein hochwertiges Portrait an der Wand (möglicherweise eines Museums).

 

Die wirkliche Schönheit ist die, die den Betrachter im Herzen trifft

und nicht unter der Gürtellinie.

Viele Fotografen scheitern daran, das sie nur schöne Frauen vor der Kamera haben möchten. Nicht weil sie die Schönheit lieben, sondern sich eigentlich nur daran “hochziehen”. Ich (er)kenne Fotografen, die eigentlich nur eine Freundin, Partnerin, One-Night-Stand oder den “Kick” suchen, aber nicht das perfekte Bild.

 

Das Bild zeigt nicht nur die Frau, sondern auch die Persönlichkeit des Fotografen.

 

 

Wenn man ein wirklicher “Frauenfotograf” sein möchte, muss man den Vorteil der Frau und nicht seinen eigenen suchen.

Greater than live

Gilt für die Frau im Bild und nicht für den Fotografen. Der Erfolg des Fotografen ergibt sich von selbst.

 

 

Man kann auch mit “sex sells” arbeiten, sollte aber immer den Vorteil der Frau im Auge behalten. Ist das Bild für sie schmeichelhaft oder lockt es (wie meistens) nur Voyeure an?

Je mehr nackte Haut man zeigt, je mehr provoziert man die nur auf Sexuelles geprägten. Das gibt Follower und Likes, nur von wem?

Ich glaube nicht, das es für eine Frau Vorteilhaft ist alle Voyeure der Region/Welt als Follower zu haben. Mir wäre (als Modell) der Booker einer Agentur lieber.

 

Was sollte man also bedenken?

Die Distanz bewahren ohne die “Liebe” zu verlieren. Es sehr schwierig, besonders wenn man jünger ist, eine Frau “distanziert” zu betrachten. Hier hilft mit der Zeit, was ich “Gynäkologeneffekt” bezeichne. Man hat so viele sehr schöne Frauen gesehen und fotografiert, das es nichts Neues oder (normalerweise) anregendes mehr ist. Eine gute Beziehung kann da auch sehr helfen.

Die Kunst ist hier nicht “abzustumpfen”. Man muss sich schon die Begeisterung für das weibliche Geschlecht erhalten. Was gerade bei arroganten jungen Modellen sehr schwierig ist (was auch zu miserablen Bildern führt).

 

Ins rechte Licht setzen

 

Jörg Hövel http://www.joerghoevel.com

 

Ist ein uralter Begriff, der es sehr gut trifft. Nicht jede Lichtsetzung lässt eine Frau “greater than live” erscheinen. Viele Fotografen kopieren Mainstream-Lichtsetzungen (weil sie trivial einfach sind) und denken “one fits all”. Der erste Schritt in das Dilettantentum …

 

Es gibt keine Schokoladenseite, aber …

 

 

immer eine Komposition, die die Frau besser aussehen lässt, als alle anderen. Auch hier machen sich viele Fotografen die Arbeit zu einfach.

Das bedeutet aber nicht, sein “Modell” in eine Zwangsjacke von Anweisungen zu stecken. Detailverliebtheit, ist in Ordnung, nur macht man es nicht für das Modell, nicht für den Betrachter, sondern nur für sich selbst. Das perfekte Bild wird es deshalb noch lange nicht.

Wer in diese Perfektionsfalle läuft, nur um der Kritik von anderen (Möchtegern)Fotografen zu entkommen, hat es nicht verstanden. Es geht nicht um die eigene Profilierung bei vollkommen belanglosen”anderen” Fotografen, es geht nur darum die Frau so gut wie möglich aussehen zu lassen.

Das Urteil, was Perfekt ist oder nicht, trifft nur der (normale) Betrachter und dieser ist sehr gemein gegenüber dem Fotografen. Er zieht meistens die Bilder vor, die ihn emotional packen und fesseln. Das Detail sieht er gar nicht. Abgedrehte Fotografen gelten überhaupt nicht.

Die meisten “iconic pictures” in den Museen sind alles andere als perfekt. Das führt dann auch immer wieder zu Aussagen wie “das hätte ich auch gekonnt” oder “das hätte ich besser gemacht”.  Nur hat man es nicht. Auch sind die meisten Bilder entstanden, in denen es Belichtungsautomatiken und Autofokus noch nicht gab. Den P-Modus erst recht nicht. Würde mal gerne sehen was passiert, wenn man den Fotografen diese Technik entzieht …

 

Natürlich ist die persönliche “Technik” wichtig

aber nicht die der Kamera. Der alte Spruch “das Wichtige ist 10cm hinter der Kamera” wird zwar immer wieder zitiert, aber kaum berücksichtigt. Die Frage nach der richtigen Kamera, Objektiv, Einstellungen (Blende, Verschlusszeit, …) zeigt mir nur, das Derjenige nicht verstanden hat, worum es geht. Keine Chance unter die Großen der Branche zu kommen …

 

Es gibt keine Regeln …

 

Ich bin als Physiker an Regeln gewöhnt. Alles ist klar definiert und nachvollziehbar… nur nicht im künstlerischem Bereich. Dort gibt es keine wirklichen Regeln, nur ein paar gute Tipps. Auch ich habe lange gebraucht um dies zu erkennen und zu akzeptieren. Hunderte von Dilettanten habe Bücher geschrieben, Workshops gegeben und Fotografen vorgegaukelt, das sie nun gute Fotografen wären. Weit gefehlt, sie sind fast immer nur um ein paar Euro ärmer geworden.

Entscheidend ist die Intuition, sie entscheidet was richtig oder falsch ist. Nur das Ergebnis, das Bild, bestimmt es zu letzt. Die besten Fotografen haben entsprechende Erfahrung und entscheiden aus dem Bauch heraus. Nicht auf Basis von Regelwerken oder Technikaspekten. Damit kommt die Erfahrung vor die Theorie.

 

Es kehrt aber alles immer auf einen Punkt zurück:

Die Frau steht im Vordergrund und nicht das Ego des Fotografen

Wenn man das begriffen hat, folgt automatisch die Überlegung, wie man sie am besten fotografieren sollte. Dies führt zu Lichtsetzung, Komposition und vor allen Dingen zur Begeisterung für das “Objekt”.

Wer geglaubt hat, von mir ein “Kochrezept” für gute Bilder und Erfolg zu bekommen, den muss ich enttäuschen. Das gibt es nicht. Aber die richtige Einstellung und das Bewusstsein alleine, schaffen langfristig  den Weg zum Erfolg.

Für Frauen (Modelle) wird vielleicht auch etwas klar… warum ich mittlerweile Probleme habe entsprechende Shootings durchzuführen.  Es ist enttäuschend, wenn sich herausstellt, das die Abzubildende es nicht Wert ist. Hartes Urteil, nur mittlerweile Tagesgeschäft. Sie sind es nicht Wert wegen ihres Aussehens, sondern wegen ihrer Einstellung. Kein Wille zu lernen, keine Wille das Beste zu geben, nur schön aussehen … reicht eben nicht.

Man muss die Frauen “lieben” um gute Bilder zu machen, nur was ist wenn man das nicht mehr kann? Auch zu diesem Spiel gehören zwei.

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