Wie wird man ein erfolgreicher Portraitfotograf?

Ich habe den Begriff „erfolgreich“ mit etwas Sarkasmus  in den Titel genommen. Nicht, das ich mich schwer tue, mich als erfolgreich darzustellen, sondern weil der Begriff keineswegs klar ist.

Erfolg

Was ist Erfolgt? Wie definiere ich ihn:

  • Das ich hundert likes in Facebook für ein Bild eines hübschen Mädels bekomme?
  • Das ich tausend Likes und Follower von Voyeuren für nackte Haut und Erotik bekomme?
  • Das sich die hübschen Mädels sich darum drängen kostenlos vor meine Kamera zu kommen?
  • Das ich Anfragen von Frauen für ein persönliches bezahltes Shooting bekomme?
  • Das Kuratoren und Galeristen meine Bilder schätzen und ausstellen?

Was will ich?

Das ist eigentlich die wichtige Frage an der ich meinen Erfolg messen kann. Ist es:

  • Das ich mich an hübschen Mädels „aufgeilen“ kann?
  • Das ich eine neue Freundin oder Partnerin aus dem Modellszenario finde?
  • Das ich meinen Lebensunterhalt mit der Fotografie bestreiten kann?
  • Das ich meine Bilder an Wänden von Sammlern und Museen wiederfinde?

Ich bin wahrscheinlich einer der weltweit erfolgreichsten Portraitfotografen. Kommt immer auf die Zielsetzung und Messung an.

Portrait ist auch nicht Portrait

Es ist definitiv kein Fashion, kein Akt, kein Boudoir wie man es täglich sieht. Nur wenn ein Mensch auf dem Bild ist, ist es noch lange keine Portrait. Aber es gibt so viele unterschiedliche Stilrichtungen des Portraits:

  • Charakterportrait
  • Dokumentarisches Portrait
  • Beauty Portrait
  • Glamour Portrait
  • Environmental Portrait
  • Business Portrait

Wie wird man ein Portraitfotograf?

In einem Gespräch mit einem befreundeten Fotografen, der noch nicht im Portraitsektor ist, wurde mir bewusst, das es interessant sein könnte zu erfahren, wie alles bei mir begann und sich entwickelt hat.

My Way …

Aktuell 54 Jahre in der Fotografie bedeutet eben nicht, 54 Jahre Erfahrung in der Portraitfotografie. Wir machen alle eine Entwicklung mit und beginnen oftmals ganz wo anders.

Ich wollte eigentlich der nächste Ansel Adams werden. Also damals der führende Fine Art Landschaftsfotograf der Welt. Bin ich natürlich nicht geworden, aber im Fine Art Bereich bin ich dann doch gelandet.

Ich habe mit Landschaften und dann (bezahlter) Reisefotografie weiter gemacht. Natürlich hatte ich als junger Mann auch einen kurzen hormongesteuerten Ausflug in Akt & Boudoir, aber der Verstand hat dann doch irgendwann gesiegt.

Rund ein Jahrzehnt Beauty Portrait

Begonnen hat es durch äußerlichen Einfluss. Das mir ein Freund ein bezahltes Boudoir-Shooting vermittelt hat und das ein junges Mädel aus der Region nach ein paar netten Bildern im Getreidefeld gefragt hat.

 

Eine etwas spätere Bildbearbeitung der Aufnahme.

 

 

Aber auch Reisefotografie kann Portraitfotografie sein. Die meisten Fotografen denken bei Portrait immer nur an hübsche weibliche Modelle. Das ist absolut falsch, auch wenn bei mir teilweise die Top-Modelle sich die Klinke in die Hand geben.

Ich hatte über Jahrzehnte bewusst keine Portraits gemacht. Bewusst bedeutet, ich habe Menschen fotografiert, aber nicht realisiert, das ich Portraits mache.

Events

Vor einigen Jahren hat mich hatte mich ein befreundeter Amateurfotograf gefragt, ob ich keine Lust hätte, mit ihm zusammen eine Fantasy-Event in Holland zu besuchen. Mein erster Impuls war zu sagen … ich fotografiere keine Menschen… ist nicht mein Ding… ich kann das nicht… Aber dann bin ich doch mit ihm gefahren.

„Bewaffnet“, mit einer Sony-Crop-Kamera mit einem Kit-Objektiv. Mehr hatte ich nicht dabei. Hätte auch nichts gebracht, da ich zu der Zeit keine Portraitobjektive hatte.

Wir haben uns vor Ort getrennt und jeder hat sein Ding gemacht:

 

 

Ich weiß noch, wie überrascht und begeistert ich war, das ich ein paar „vernünftige“ Portraits gemacht hatte.

Mir war sofort klar, was mich in seine Bann gezogen hatte und zu guten Bildern geführt hatte:

Ich war von der Paarung aus Schönheit und Ausdruck überwältigt worden.

Seit dem bin ich (Beauty)Portraitfotograf.

Ich habe an dem Tag auch direkt etwas wichtiges gelernt. Das Licht ist entscheidend und nicht die Technik.

Wer Licht nicht „lesen“ und beherrschen lernt, wird es nicht schaffen

Ein hartes Urteil, aber täglich von Hunderten von Fotografen negativ nachgewiesen. Auch wenn es jetzt absolut Arrogant klingt… Ich mache mit meinem Smartphone bessere Fotos.

Sie denken, ein hübsche Modell und viel Haut, macht sie erfolgreich… Nur was für ein Erfolg (siehe oben). Natürlich „sex sells“, aber wohin. Wer in die Portraitfotografie geht, um sich an hübschen Mädels zu erfreuen oder nackte Haut zu sehen, hat dort eigentlich nichts zu suchen. Es ist die vollkommen falsche Einstellung und führt nur zu den drittklassigen Aufnahmen, die wir täglich ertragen müssen.

Wer den Ausdruck nicht versteht…

Neben dem Thema „Licht“ ist der zweite wichtige Bereich der Ausdruck des Modelles. Wer sich hier nur auf „Schönheit“ verlässt, ist verlassen. Das ergibt „Wegwerf-Fotografie“, aber dazu später.

Die Auswahl des richtigen Modells entscheidet über Erfolg oder nicht-Erfolg in der Realität, also ausserhalb Social Media und 2nd Life.

Leidenschaft

Die Leidenschaft für das was man macht ist entscheidend, aber sie darf nicht schwanzgesteuert sein, sondern muss aus dem Herzen und Verstand kommen.

Man muss versuchen, so objektiv wie möglich zu definieren, wo die eigene Leidenschaft in der Fotografie liegt. Deshalb darf man sich auch nicht über „Blümchenfotografen“ oder ähnliches negativ äußern oder herabblicken. Entscheidend ist die vorhandene Leidenschaft und die führt irgendwann auch zur entsprechenden Qualität. Weil man es eben ernst nimmt!

Die Ernsthaftigkeit junger männlicher Fotografen in der (jungen) weiblichen Portraitfotografie ist oftmals nicht gegeben. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung und jahrzehntelanger Beobachtung. Es ist hormongesteuert und wenn die Hormone abklingen, ist es aus mit der Leidenschaft. Nach ein paar Monaten oder Jahren war es das.

Ich persönlich habe sofort erkannt, das meine Leidenschaft in der Beauty-Portraitfotografie liegt, aber da hatte ich die Hormonelle Phase schon lange hinter mir.

Ich habe auch Bilder im Bereich Charakterportrait gemacht, bin aber der Überzeugung, das ich dort eher zweitklassig bin:

 

Irgendwie habe ich es nicht mit Männern oder Kindern.

 

Portfolio – Eins kommt zum Anderen

Die Frage „wie bekomme ich gute Modelle“ … mit guten Bildern von weniger guten Modellen.

Man wächst vollautomatisch mit seinen Modellen und den Beispielbildern.

Ich hatte ja kein Portfolio im People-Bereich, aber als damaliger Vollprofi durchaus das Ziel hier Geld zu verdienen und eben nicht mit 29€ Laufpublikum.

TfP-Shootings sind für den Aufbau eines  Portfolios und seiner Erweiterung ideal. Wer grundsätzlich, nach dem Motto „ich bin Profi, ich mache kein TfP“ gegen TfP ist, ist für mich ein Idiot. Sorry.

Ein befreundet Fotograf sagte dann, „geh doch in die Modell-Kartei. Dort sind tausende von Hobbymodellen und deine Bilder sind jetzt schon besser als das Meiste, was da rumfliegt“ (Orginalzitat). Man muss dabei sagen, das war vor einigen Jahren, wo die Modell-Kartei noch keine „Schmuddelkartei“ war. Wie war also der Startpunkt:

  • Ein paar (Portrait)Bilder von Reisen und Events (Outdoor)
  • Kit-Objektiv, Weitwinkel war für mich nie eine Option für Portraits
  • Ein paar Systemblitze und Lichtformer für Homeshootings …

Mein erstes Portfolio im Peoplebereich, war sehr übersichtlich.

Heute, würde ich niemandem empfehlen in eine Modellgruppe zu gehen, ob Modell-Kartei oder Facebook, um ein Portfolio zu erstellen.

„Aber ich muss doch gute Bilder von guten Modellen zeigen, um weitere zu bekommen …“

Quatsch. Ganz im Gegenteil, kann es am Anfang sogar sehr negativ sein.

Wenn man nach neuen Modellen sucht, sollten die Modelle die man zeigt, dem nächsten Modellen entsprechen. Es muss sich wiederfinden!

Warum ist Germany’s Next Topmodel so erfolgreich? Weil es zeigt, das könntest du auch. Sieh her, sie ist nicht Top aber wird Modell… Eine riesige Verarschung der jungen Mädels, aber eben sehr erfolgreich, bringt riesige Einschaltquoten, entsprechende Sponsoren und damit eine Menge Geld.

Wenn ich heute sage, das nur die wenigsten GNTM-Modelle vor meine Kamera kämen, ist man entsetzt. Wahrscheinlich hält man mich für einen Aufschneider oder Arrogant. Weit gefehlt, ich suche Qualität im Ausdruck, keine stupide Schönheit.

Sucht euch „Modelle“ in eurer Umgebung. Freunde, Familie, Verein, bei Lidl & Aldi oder auch, wie oben geschildert, auf  Events!

Wenn ihr mit diesen guten Bilder macht, werden sich immer mehr Frauen/Männer in diesen Bildern wiederfinden und zu einem TfP-Shooting ja sagen.

Erst recht, wenn ihr mit Portraits Geld verdienen wollt!

99,9% der Frauen/Männer die euch für Portraitaufnahmen bezahlen werden (und wollen) sind keine Modelle und haben definitiv nicht deren Aussehen. Der Rest hält sich schon für ein Modell (und superschön) und wird euch keinen Cent bezahlen.

 

Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler

Die Grundregel im Marketing. Egal in welcher Branche. Warum haltet ihr euch dann nicht daran?

Euer Portfolio muss deshalb eurer Klientel ansprechen und nicht irgendwelche Modelle. Wenn ihr also in eurem Portfolio nur Highend-Modelle zeigt, werdet ihr schnell in finanzielle Probleme geraten.

Wenn ihr eure Bilder nur in Modellgruppen, Portraitgruppen in Facebook usw. zeigt.  Macht ihr nur Bilder für andere „Angler“. Die bezahlen euch kein einziges Brötchen und versauen mit ihrer angeblichen konstruktiven Kritik (ich nenne es Profilierungssucht und Neid) nur den Spass an der Arbeit. Ich zeige täglich Bilder im Social Media, aber immer mit klarem Verstand und Bewusstsein, was ich da mache.

Nicht euer Ding? Ihr wollt nur schöne Menschen fotografieren? Nur Lob von anderen Fotografen erhalten? Das Modelle euch die Füsse küssen für ein TfP? Bleibt Amateur oder werdet mit Glück Fashion-Fotograf.

 

Wenn ich heute so ein Bild zeige, ist die Bewerbungsrate sehr gering. Entweder man traut es sich nicht zu oder man überschätzt sich maßlos. Die Bewerbungen wirklich geeigneter Modelle ist übersichtlich.

 

Ich habe also  angefangen, wie die meisten Fotografen. Mit „normalen“ Frauen als Modell und mit:

Natürlichem Licht

Am Anfang habe auch ich nur mit natürlichem Licht gearbeitet. Wenn man reist oder auf Events ist, so ist natürliches Licht nun einmal vorhanden und alles andere erst einmal nicht.

Auch wenn ich über die Jahrzehnte auch mit Systemblitzen umgehen gelernt hatte, so fühlte auch ich mich erfahrener und wohler mit natürlichem Licht.

Nur sagt bitte nicht „Ich shoote nur im natürlichen Licht. Das ist besser und natürlicher“. Es ist nur ein Synonym für „Ich bin zu blöd einen Blitz zu bedienen“. Davon bin ich weit entfernt,

Natürlich wurde ein 70-200mm/2.8 und ein 85mm/1.4 angeschafft. Aber auch nicht mehr. Hat sich bis heute nur sehr wenig geändert.

Eine Vollformatkamera und 50MP braucht ihr definitiv nicht! Ich habe zwar eine Sony A7R, aber die war eigentlich nur für die Produktfotografie gedacht. Aber das ist ein anderes Thema.

 

 

Eines meiner ersten Outdoor-Shootings bei natürlichem Licht. Ich weiß, kein Vergleich zu dem was man sonst so von mir sieht, aber Teil meiner Historie.

Mein Ehrgeiz war immer, das Licht zu beherrschen.  Also egal welche Lichtverhältnisse ich habe, immer Aufnahmen zu machen. In diesem Fall Sommer, Mittags, keine Wolke am Himmel.

Nun würde jeder sagen, ab in den Schatten. Aber das wäre für mich einfach zu trivial. Was alle machen, mache ich noch lange nicht. Es würde ja bedeuten, das das Licht mich „besiegt“ hätte und nicht umgekehrt. Heute „besiege“ ich das Licht etwas anders …

 

Lichtqualität

Zudem geht auch im Schatten das wichtigste Element im Licht verloren, die Lichtqualität. Nur weil das Licht „weich“ ist und man keine Fehler machen kann, ist es kein gutes Licht. Es ist nur langweiliges Licht. Achtet mal darauf, welche Bilder euch beeindrucken und welches Licht vorhanden war.

Wenn man etwas als Landschaftsfotograf lernt, dann ist es Folgendes. Das beste Licht hat man:

  • Kurz vor Sonnenaufgang bis rund eine Stunde nach Sonnenaufgang
  • Eine Stunde vor Sonnenuntergang bis kurz nach Sonnenuntergang (Blaue Stunde)

Auch wenn man sich Peoplefotograf schimpft, die Regeln des natürlichen Lichts gelten auch dann. Ein guter Landschaftsfotograf zu sein, schadet also nicht.

Es hat auch dazu geführt, das ich zum „Gegenlicht-Fotografen“ geworden bin. Wenn die Lichtverhältnisse nicht so waren, wie es wollte, habe ich versucht das „Modell“ ins Gegenlicht zu bekommen:

 

Nebenbei liebe ich das „Rimlight“. Dieser helle strahlende Rand. aber auch:

das „Engelchen“. Die „Techniker“ werden sagen „Überbelichtet“, „Überstrahlt“, „Detailverlust“ …

Der Profi der Geld verdienen will, wird sagen „die Kasse klingelt“ und die normale Frau sagt „wunderschön“. Es ist eben der richtige Köder für den Fisch.

Liebe dilettantischen Techniker, macht weiter so und lasst die guten Fotografen eben ihr Geld verdienen …

Den „normalen“ Betrachter eines Beauty-Portraits interessiert nur die Person und nicht der Hintergrund. Deshalb kann man auch solche Portraits auf einer Müllhalde machen.

Man muss in der Fotografie eines direkt lernen – was ist das wichtigste Element im Bild! Das hat nichts mit People, Landschaft, Produkt oder was auch immer zu tun. Es ist elementar.

Aber der wichtigste Punkt, den man lernen muss um erfolgreich zu sein ist:

Bilder werden auf der emotionalen Basis von den „Kunden“ gekauft und nicht nach Pseudo-Gesetzen und Technik. 

Nur Fotografen denken, sie könnten die Realität mit Technik besiegen. Natürlich gibt es Rahmenbedingungen für spezielle fotografische Situationen, aber mehr nicht. Die Realität der Käuferin deckt sich nicht mit der „Realität“ eines Möchtegern-Professors der Fotografie. Wer auf diese hört und Rücksicht nimmt, kann in der Realität sehr schnell Konkurs anmelden.

Diese Art Portraits, haben die Basis für meinen wirklichen greifbaren Erfolg gelegt.

 

Natürliches Licht + Systemblitz

Ich mache heute meine Bilder immer wieder auch mit einem Aufhellblitz und zwar auf der Kamera!

Nun höre ich schon wieder die nächsten erregten Kommentare. „Das macht man nicht“, „Das gibt schlechte Bilder“, „Das sieht unnatürlich aus“ usw. Die schlechten Bilder macht ihr und nicht der Blitz. Wenn ihr nicht mit Licht umgehen könnt, kann die Technik nichts dafür.

Joe McNally hat einmal gesagt:

„The fillflash must be like a kiss. A kiss for the model“

Er hat vollkommen recht. Wenn ihr anstatt einem Kuss, mit der Brechstange zuschlagt …

 

Diese Aufnahmen sind mit einem Systemblitz auf der Kamera gemacht. Das ist meine derzeitige Technik.

 

Warum nicht mit „entfesseltem Blitz“?

Übrigens, was für ein bescheuerter Begriff.

Nun ich fotografiere nun seit 54 Jahren. Taschenrechner parat?

Glaubt ihr ernsthaft, dass ich mir noch das Kreuz breche, indem ich Studioblitze, Stative, Lichtformer, Reflektoren, wie ein Affe durch die Gegend trage? Wenn sie kein besseres Portrait ermöglichen?

Leute, wir sind bei Outdoor und natürlichem Licht! Wenn ich das natürlich Licht und seine Stimmung nicht haben will, kann ich auch ins Studio gehen …

Bei einem Aufhellblitz meiner (und Joe McNally’s) Qualität ist es vollkommen egal, wo der Blitz ist. Er hat nur zwei Aufgaben zu erfüllen:

  • Das Gesicht der Person leicht und gleichmäßig aufzuhellen
  • Möglicherweise ein Catchlight im Auge zu erzeugen

Er hat keinerlei kompositorischen Wert. Künstliche Szenarien mit „overpower the sun“ und ähnliches, überlasse ich gerne anderen.

Natürlich könnte ich den externen Blitz im Schatten auch als Hauptlicht oder Effektlicht einsetzen… Nur dann sehe ich keinen Vorteil mehr gegenüber einem Studio/Indoor-Shooting, da die Lichtqualität dann die gleiche wäre.

 

Bildbearbeitung

Das bringt natürlich alles nichts, wenn man keine Bildbearbeitung betreibt. Alle meine Bilder sind (selektiv) bearbeitet.

Das bedeutet nicht, nur den generellen Kontrast oder die Helligkeit zu verändern. Es bedeutet künstlerisch tätig zu werden. Selektiv Bereiche zu verändern. Ich bin Beauty-Fotograf und kein dokumentarischer Fotograf. Jedes Mittel ist mir Recht, wenn ich das Ergebnis erreiche, das ich erreichen will.

Ich habe einen kleinen Anspruch, das es unmöglich oder zu mindest schwer erkennbar ist, was ich so getrieben habe, aber wichtig ist es eigentlich nicht. Witzigerweise bekommen ich immer negative Kommentare zu angeblichen Bearbeitungsfehlern, wo nicht bearbeitet wurde und umgekehrt. Lässt schon stark nachdenken, was die fachliche Qualität der „Kritiker“ angeht.

 Bearbeitet? Nicht bearbeitet? Zu stark bearbeitet?

 

Parallel zur Fotografie habe ich schon vor Jahrzehnten begonnen meinen Skills in diesem Bereich zu erweitern. Erst in der Dunkelkammer und heute in Photoshop & Co. & KG. Nachdem was ich hier so täglich sehe, scheint auch das nicht von schlechten Eltern zu sein 😉

Auch hier gilt wieder für die „Techniker, Puristen oder Gesetzestreuen“, wer ist hier erfolgreicher? Man kann sich als Profi-Fotograf nicht erlauben seine Existenz auf’s Spiel zu setzen, nur weil ein hergelaufener Möchtegern-Professor meint, er hätte Recht ….

„Show me the money“ ist und bleibt der einzige Gesetz für einen echten Profi der davon existieren muss. Bitte keine „Wochenend-Profis“ als solche bezeichnen. Das sind nur Amateure die ein bisschen Geld verdienen ohne jegliche Existenzangst.

 

Der Weg ins Studio

Ich muss gestehen, das ich schon als junger Fotograf im Studio gearbeitet hatte. Das war also definitiv kein Neuland für mich, aber eine kleine Auffrischung.

Der Schritt ins Studio kam schon schnell nach den ersten Outdoor-Shootings. Die meisten Frauen möchten nicht, das Bildchen draußen vor dem Baum, das alle anderen schon haben, sondern das Besondere.

Wenn es ums Geld geht, so muss das, was man als Fotograf produziert, schon sehr von dem was Vater, Onkel, Mann (oder Hobbyfotograf) usw. mit der kleinen Spiegelreflex/Smartphone so treiben können, abweichen. Warum sollte man für etwas bezahlen, was man umsonst haben könnte?

Umso mehr Geld man haben möchte, umso ausgefallener müssen die eigenen Arbeiten sein

Das gilt wie gesagt für Privatkunden. Bei Firmenkunden z.B. Businessportraits ist es nicht ganz so extrem. Un din anderen Bereichen z.B. fashion ,sieht die Welt nochmals ganz anders aus. Aber auch da zählt die fachliche Qualität. Ich habe mich aus dem Businessbereich immer herausgehalten, da ich ihn als stinklangweilig betrachte. Die Arroganz desjenigen, der es sich erlauben konnte, aber das ist nicht jedem gegeben.

Fashion

Fashion, war für mich immer ein „me too“-Szenario (ich kann es auch). Das Problem im Marketing ist, das man bei „mee too“ sofort in einem Verdrängungsmarkt ist, wo im Endeffekt der Preis entscheidet. Wenn alle das gleiche liefern, ist das eben so.

Dummerweise liegt es aber am Markt und nicht an den Fotografen. Wenn man nur 0815 für möglichste kleines Geld haben will ,so wird man es auch nur bekommen. Wer davon leben muss, wird sich eben anpassen.

Kein wirklich erstrebenswerter Markt für mich. Ich habe mal einen kleinen Ausflug gemacht, aber die Bezahlung war einfach zu gering und die Anspruchshaltung der Auftraggeber grottenschlecht. Wer jung ist und Fashion machen möchte, sollte die Koffer packen und sein Glück in den entsprechenden Metropolen suchen. Ich war dafür schon zu alt und der deutsche Markt inakzeptabel.

 

 

 

Der Headshot

Ich habe schon sehr schnell bei meinen Outdoor-Shootings gemerkt, das meine Qualität mit der „Einschränkung“ steigt. Ganzkörper ist relativ schwach (ja, ich weiß, weinen auf hohem Niveau) und Headshot sehr gut. 2015 zählte ich international  zu den Top20% im Bereich People und damit in der Realität „Headshot“.

 

Das erste was ich also im Studio angefangen habe, war Headshots zu machen. Dazu habe ich mir eine neue Technik von Joel Grimes angeeignet und in rund zwanzig Tfp-Shootings im Studio perfektioniert. Witzigerweise, setze ich diese Technik schon lange nicht mehr ein:

 

Ich war nachher in der Lage diese Technik Vollkörper einzusetzen, obwohl sie ursprünglich nur für Headshots und Brustbild gedacht war …

Diese Modelle habe ich auf der Basis meiner Outdoor-Portraits ins Studio bekommen. Ich musste also gar nichts im Studio nachweisen, sondern nur grundsätzlich das ich gute Bilder mache.

Aber habt ihr es bewusst gelesen? 20 TfP-Shootings um eine Technik zu perfektionieren!

Ich kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn jemand eine Workshop macht oder Youtube-Videos studiert und meint  – das war’s

Nein, das ist erst der Anfang! Wer nicht übt und aus unzähligen Fehlern lernt, wird eben nicht der erfolgreiche Fotograf werden.

Das Studium von Fotobüchern, Magazinen usw. bringt uns nur die großkotzigen Theoretiker in Facebook & Co. die jedem Anfänger sagen was er angeblich falsch gemacht hat und er anders machen würde. Was er natürlich nicht macht, da er nur ein Profi im Schaumschlagen ist.

 

Das dumme Thema „Erotik“

Wie ganz oben geschildert, war eines meiner ersten Pay-Shootings ein Boudoir. Pay-Shootings kann und will ich nicht zeigen.

Warum? Nicht nur das man es meistens nicht darf. Die abgebildeten Frauen sind selten portfoliofähig.

Boudoir & Akt als TfP ist bei mir die absolute Ausnahme. Nicht nur, das es mich nicht wirklich reizt, man kann sich auch schnell seinen Ruf ruinieren und das ist es nicht Wert.

 

Nur als Beispiel, das ich wirklich nichts gegen Erotik habe. Nur gegen die Qualität.

Homeshootings sind eine sehr gute Alternative zu Studio. Nur ist die Lichtsetzung hier noch weitaus herausfordernder als im Studio.

 

Personal Projects

Auch wenn man mit der Fotografie Geld verdient, muss man sich weiterentwickeln. Das geschieht definitiv nicht im Tagesgeschäft. Routine ist tödlich. Bei Auftragsarbeiten entstehen extrem selten portfoliofähige Aufnahmen.

Wenn jemand also sagt, „Ich bin Profi, ich mache keine TfP’s, ist er ein Idiot“. Ich wäre nicht der, der ich bin, wenn ich nicht immer Zeit für TfP’s, sogenannte Personal Projects „geopfert“ hätte. Es ist kein Opfer, sondern eine Bereicherung:

  • Fantasy Events
  • Retro Shootings
  • Ballett

Fantasy

Ich habe über die Jahre immer entsprechende Projekte und Shootings durchgeführt. Es fing, wie beschrieben alles im Fantasy-Bereich an:

 

Retro

Irgendwann sagt ein Modell „Ich würde gerne einmal mit Oldtimern shooten“. Sozusagen der Anfang vom Ende (Scherz).

Naiv wie ich war habe ich auf Facebook eine Anfrage nach einem Fahrzeug gestellt… Im Endeffekt waren es 6 Modelle, die sich gemeldet hatten und 11 Fahrzeuge am Set.

Mittlerweile mache ich 2-3 mal im Jahr einen solchen „Großevent“ mit einem befreundeten Fotografen. Es macht einfach Spaß.

 

Wer den Spass an der Arbeit verliert, hat ein echtes Problem. Es muss Leidenschaft bleiben, auch wenn die Existenz und Geld verdienen natürlich das Wichtigste ist.

 

Ballet

Wenn man nur noch Beauty-Portraits macht, braucht man irgendwann einen „Ausgleich“.

Ich war selbst in jungen Jahren (also vor über 30 Jahren) für über 15 Jahre als Tänzer im Bereich Standard-Formation unterwegs.

Eine Leidenschaft bleibt also immer der Tanz und speziell der Ausdruck, Eleganz und die Disziplin der Balletttänzer. Ich liebe sie, obwohl sie mich auch vor einem Jahr sehr enttäuscht haben.

Also habe ich für drei Jahre ein spezielles Projekt in Bereich „Tanz“ durchgeführt:

 

Aber der rote Faden, Beauty, bleibt immer bestehen …

Man kommt als Portraitfotograf aus seiner Haut nicht mehr heraus. Ob Fantasy, Retro oder Ballett, es werden immer Portraits und in meinem Fall Beauty-Portraits werden. Eine Leidenschaft wird man nicht mehr los.

 

Der Weg zum Fine Art

Der Hintergrund das ich vor ein paar Jahren in den Fine Art Sektor gewandert bin, liegt an der schlechten Bildqualität, die man leider immer mehr sieht und der kleine „Ansel Adams“ in mir. Ich hatte ja über Jahrzehnte versucht, Fine Art Landscapes zu machen.

Wegwerf-Fotografie

Ich wollte einfach keine Wegwerf-Fotografie mehr machen. Hat sich mittlerweile relativiert. Aber eine Zeit lang, habe ich immer weniger „kommerzielle“ Bilder gemacht und auch in 2016 ganz aufgehört.

Warum Wegwerf-Fotografie? Das liegt an einer amerikanischen Studie, die besagt,

  • das Thumbnails (kleine Vorschauen) nur maximal 2 Sekunden betrachtet werden,
  • große Bilder nur maximal 30 Sekunden und
  • mehr als 99,99% aller Bilder nach 24 Stunden vergessen sind!

Ich wollte das meine Bilder Bestand haben! Das geht aber nur an den Wänden von Kunden, Sammlern und Museen. Auch das beste Cover eines Magazins (Fashion, Foto, …) landet nach ein paar Tagen oder Wochen im Mülleimer. Das passiert auch der Vogue.

Also niemals über Hochzeitsfotografen herziehen, sie sind eigentlich mit die Einzigen kommerziellen Fotografen deren Werk wirklich geschätzt und über Generationen behütet wird!

Ich bin nun einmal der Sohn eines Jazz-Musikers und der Enkel eines Malers.  Mein Großvater hat mir ja zum achten Geburtstag meine erste Kamera geschenkt. Ein Stück Plastik von Kodak.

Ich weiß nicht wie viele Museen und Galerien ich in meinem Leben besucht habe, aber alleine mit meinem Großvater, war es alles was in Reichweite war. Von Düsseldorf nach Amsterdam, Berlin, Paris, Florenz, …

 

Chiaroscuro

Eine Maltechnik aus der Spätrenaissance hat mich immer schon fasziniert. Wer sich dafür interessiert sollten ach Caravaggio fahnden. Spätestens dann versteht man, was ich so treibe.

Dazu kamen die Bilder aus der Zeit des Hollywood Glamour von Hurrell usw.

Dies hat mich motiviert, diese Zeiten in der modernen Fotografie wieder aufleben zu lassen. Aber mit der Nutzung der heutigen Studiotechnik.

 

 

Mein erstes Hollywood Glamour. Das Modell ist eigentlich keines, sondern damals eine Bundesliga-Tennisspielerin …

Es dürfte mittlerweile mein bekanntestes Bild sein, das auch den Weg in die Kunstszene eröffnet hat.

Kurz danach erfolgten die ersten Chiaroscuro-Fotografien und es setzt sich bis heute fort:

 

 

Wie geht es weiter?

Nachdem ich mich aus dem kommerziellen Bereich herausgezogen habe, bin ich eigentlich nur noch Hobbyist. Nicht so ganz, aber immerhin. Ich mache nur noch das was mir Spaß macht.

  • Fine Art
  • Beauty & Glamour
  • Retro
  • Fantasy
  • Ballet

Ich glaube, das wird mich noch eine Weile beschäftigen. Soweit es meine aktuell etwas angeschlagene Gesundheit zuläßt.

 

P.S.

Ich weiß das vielen meine Ausdrucksweise zu hart ist. Das Leben ist aber kein Ponyhof. Wenn man Dilettant bleiben will, kann man ja die Realität verdrängen.

Ich kann nur weitergeben was ich weiß und hoffen das es einigen Fotografen die Augen öffnet. Nur wer sich der Realität stellt, kann in dieser bestehen.

 

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