Wie fotografiert man ein Curvy Model?

 

Wenn man gemein wäre, könnte man auch fragen, wie fotografiert man eine Frau …

Ich bin in den letzten zwei Jahren immer mehr in den Bereich “Plus Size” oder “Curvy” und weg von Size0 und kommerzieller Modellansicht gekommen. Für mich hat sich fotografisch eigentlich nicht viel verändert. Die Regeln sind meist die gleichen, aber ich habe in letzter Zeit gemerkt, das sich doch viele Fotografen mit dem Thema schwer tun.

Ich werde einige Beispielbilder aus dem Netz ohne namentliche Nennung verwenden. Nicht um dem Fotografen seine Rechte zu entziehen, sondern nur um ihn nicht an den Pranger zu stellen. Nobody is perfect!

Aber was ist überhaupt eigentlich ein Curvy Model?

Nun, da gibt es keine Norm und die Meinungen gehen oft auseinander. Wo ist denn auch dann der Unterschied zu “plus size”? Eigentlich keiner. Aber es gibt schon ein paar Punkte in denen man sich recht einig ist:

  • Eine Konfektionsgröße ab 38/40 aufwärts
  • Nicht quadratisch, praktisch, gut, sondern Taille und Sanduhr-Form
  • Nicht quabbelig, sondern durchaus straffe Haut und gepflegt
  • Die Oberweite sollte den Hüften entsprechen

Was man täglich in entsprechenden Gruppe usw sieht, ist demnach nicht unbedingt “curvy” und auch nicht “plus size”.  Curvy Model ist keine Ausrede, das plötzlich alles geht und (kommerziell) akzeptabel ist.

Mal ganz davon abgesehen, das man auch als Curvy Model eine positive Ausstrahlung haben muss.

Also orientieren wir uns einmal an den obigen Annahmen, was ein Curvy Model ist und betrachten wir nun, wie man sie am besten abbildet.

Regel 1: Kurven sind dafür da, das sie gezeigt werden

Um Kurven zu zeigen, muss man auch die richtige Komposition wählen:

(Bild aus dem Internet. Nicht von mir!)

Platt von vorne ist ganz gut für ein Polaroid. Dies war zwar als Dessous/Fashion-Bild gedacht, ist es aber nicht.

Natürlich kann man bei dieser Positionierung erkennen, das dort was sein muss, aber betont wird es nicht

 

Model: LaToya

Eine leicht seitliche Positionierung betont die Kurven der Frau. Man sollte aber immer darauf achten, das es eine positive Darstellung für das Modell bleibt. Die Grenze in den Bereich unterhalb der Gürtellinie ist leider sehr schnell überschritten:

(Bild aus dem Internet. Nicht von mir!)

Eine komplett seitliche Positionierung erscheint damit erst einmal nahe liegend, kann aber schnell übertrieben wirken und ist selten eine wirklich gute Komposition.

(Bild aus dem Internet. Nicht von mir!)

Besonders bei Ganzkörper, betont es oftmals das, was nicht betont werden soll.

Ja, man soll Curvy wörtlich nehmen und die Körperteile auch präsentieren. Nur sollte man es nicht übertreiben und etwas auf dem Präsentierteller überbetonen. Das führt oftmals zu falschen Interpretationen, speziell bei männlichen Betrachtern:

(Bild aus dem Internet. Nicht von mir!)

Hier kommt es definitiv auf den richtigen Winkel an. Auf keine Fall sollte sich das Modell nach vorne beugen und diese negative Haltung annehmen. Wenn man es schon machen möchte, dann bewegt man sich  als Fotograf auf eine Leiter:

Modell: Gloria

 

Regel 2: Ins rechte Licht setzen

Das ist im Fashion-Bereich leichter gesagt, als getan. Fashion, bedeutet meistens Bilder vor weißem, hellgrauem Hintergrund. Das liegt daran, das die meisten Fashion-Magazine auf weißem Untergrund gesetzt werden. Gerade die Cover. Bei Katalogen ist es noch extremer, ob offline oder online.

Übrigens, schon einmal aufgefallen, das 90% der kommerziellen Aufnahmen von Curvy Modellen im Web im Bereich Dessous/Lingerie sind?

 

(Bild aus dem Internet. Nicht von mir!)

Ich enthalte mich des Kommentars bei Faltenwurf und hochziehen …

 

Außerhalb des Fashion-Bereiches hat man aber alle Spielarten zur Verfügung. Also nutzen.

Am Besten mit Licht modellieren lernen:

Modell: Stefanie

Modell: Johanna

Model: @jessica.curvysupermodell

Regel 3: Darauf achten, das sich das Modell nicht selbst disqualifiziert

Was ist damit gemeint? Nun, schon einmal gemerkt, das der allergrößte Teil der Aufnahmen von Curvy Modellen im Web im Bereich Dessous/Lingerie und Erotik sind?

Dagegen spricht überhaupt nichts, da ja gerade die Kurven das Highlight eines Curvy Modelles, verglichen mit Size0, sind.

Aber gerade dann muss man sehr auf die Qualität achten, z.B. wenn die Kurven, sagen wir einmal, etwas instabil geworden sind. Als Curvy Modell und deren Fotograf sollte man auf die richtigen hochwertigen Dessous achten:

 

Modell: Tanja

Modell: Antoniette

Modell: Etab

 

Regel 4: Ganzkörper nur dann wenn es sinnvoll ist

Sinnvoll ist es definitiv im kommerziellen Fashion-Bereich, da es dort nicht um die Person, sondern nur um die Vermarktung des Outfits, Dessous, Swimwear usw. geht. Die potentielle Käuferin soll sich im Bild wiederfinden und im Endeffekt kaufen:

 

(Bild aus dem Internet. Nicht von mir!)

Im privaten und Portrait-Bereich geht es nun einmal um die Person und deren vorteilhafte Darstellung.

Leider werden im Ganzkörper aber nicht nur die Highlights, sondern auch schnell ein paar Schattenseiten dargestellt. Es gibt hier nicht allzu-viele nützliche Tricks:

Seitliche 45 Grad Position mit vorgekreuztem Bein

Eine Basisposition, die ich generell empfehle. Reine Geometrie! Die Silhouette wird um 40% schmaler.

Leider habe ich hier kein Curvy-Beispiel, da ich diesem Szenario soweit es geht, aus dem Weg gehe:

Modell: Lena

Eine Ballettpose, kann man natürlich nicht immer erwarten:

Modell: Nadja

 

Ich versuche bei Curvy immer dort aufzuhören, wo die Problemzonen anfangen

Modell: Ina

Modell: Gloria

 

Fazit

Wie auch immer man es sieht, es ist nicht großartig unterschiedlich zu Size0. Dort muss man die Knochen verbergen und hier die mehr oder weniger großen Pölsterchen. Im Grunde ist es immer das selbe:

Die Vorteile hervorheben, die Nachteile verbergen