Headshots

Wie erstelle ich als Modell eine Sedcard?

Ich bin seit 55 Jahren Fotograf, davon über ein Jahrzehnt als Vollprofi international tätig gewesen. Seit 1.8.18 im Ruhestand, aber immer noch für eine Agentur im Bereich Sedcards tätig. Wenn ich entsprechende Zeit habe, biete ich die Erstellung von Basis-Sedcards für Nachwuchsmodelle kostenfrei an (TfP).

Eine Sedcard ist ein „lebendes“ Dokument und muss kontinuierlich erweitert und aktualisiert werden!

 

Es gibt keine Gesetzmäßigkeit, wie eine Sedcard/Modell-Portfolio/Modellmappe aufgebaut werden soll. Aber es gibt eine klares Marketinggesetz:

Der Köder muss dem Fisch und nicht dem Angler schmecken!

 

Damit ist klar, das die Sedcard eben nicht die eigenen Lieblingsbilder enthalten sollte oder das was einem persönlich gefällt. Es geht darum einem unbekannten Dritten, ob Agenturbooker, Fotograf oder Designer zu gefallen. Meine Erfahrung ist, das hier die Geschmäcker grundlegend auseinandergehen.

Das Modell möchte besonders gut aussehen und denkt mehr daran ihr persönliches Umfeld zu beeindrucken. Der Fotograf, was ihn bei seinem Klientel gut darstellt.  Der Booker womit er am leichtesten Geld verdienen kann und der Desiger was seine Produkte am besten präsentiert.

Das Letzte worum es bei Sedcard-Bilder geht sind Likes oder Kommentare in Social Media! Wer das nicht versteht, bekommt in der Realität ein Problem.

In den meisten Fällen geht es aber direkt oder indirekt immer um den Endkunden und das ist oft der Designer oder Art-Director

Also sollte die Sedcard, oftmals eine digitale und/oder analoge Mappe, dem Geschmack des Endkunden entsprechen!

Ich persönlich empfehle immer noch:

  • Eine Modellmappe mit ausgedruckten Bildern. Format 20*30cm (DIN A4) ist ideal.
  • Eine digitale Modellmappe als PDF zur Versendung z.B. Email

Weniger ist mehr! Die Mappe sollte nicht mehr als 20 Bilder enthalten. Aber eben immer die Besten!

Was möchte der Kunde sehen?

Was er einkauft. Definitiv möchte keiner die Katze im Sack kaufen und immer sicher gehen das sein Geld auch Früchte trägt. Um dies abzusichern, bedeutet es erst einmal die Realität zu sehen (und eben keine Fakes) und die Einsatzmöglichkeit für das vorhandene Szenario abzuschätzen. Wer GNTM schaut, sollte besser wegschauen.

Ich persönlich empfehle eine Sedcard in drei Blöcken:

  • Mindestens einen Headshot
  • Eine Satz Polaroids
  • Mehrere Beispiele im angestrebten Bereich

Headshot

Die Headshots sind einige der wichtigsten Bilder im Portfolio eines Modelles. Er zeigt das Modell in seiner Persönlichkeit und auch in seiner Ausdruckskraft (sofern vorhanden).

Es sollte mindestens ein aussagekräftiger Headshot im Portfolio sein. Mehr als ein Headshot nur dann, wenn diese unterschiedlichen Ausdruck zeigen. Ansonsten sind mehrer Headshots negativ, da sie zeigen, das das Modell nicht wandlungsfähig ist!

 

 

Das gleiche Modell, aber unterschiedliche Looks mit unterschiedlichem Ausdruck

Schulterfrei mit klaren Linien

Allen guten Headshots gemeinsam ist, das kein Kleidungsstück oder Accessoire den Blick des Betrachters von der Person ablenkt.

Also immer schulterfrei. Keine Träger!

Wie man dies als Modell erreicht, ist ihm überlassen. Schulterfreies Top oder Kleid, was behindernd in der Bewegungsfähigkeit sein kann oder ein trägerloser BH/Bikinioberteil, wo die träger einfach herunterhängen.

Makeup – weniger ist mehr

Für viele Modelle sollen es ja „Bewerbungsfotos“ sein. Hier sollte man sich nicht mit überzogenem Makeup versuchen zu bewerben. Ein ganz leichtes Makeup oder wenn man es sich erlauben kann, auch ohne Makeup. Stark geschminkt oder überbearbeitete Bilder (Filter, …) hinterlassen schnell den Eindruck das man etwas zu verbergen hat.

Der Ausdruck

Headshots sind die Königsdisziplin der Portraitfotografie, auch wenn Modelle das nicht gerne hören und verstehen.

Warum? Weil nichts von der Person ablenkt und nur das, was sie dem Betrachter übermittelt zählt. Man muss also sich selbst präsentieren.

Es ist immer wieder erstaunlich, das sehr viele hübsche Frauen in einer passenden Umgebung, vom Cafe bis zur Party, zur Höchstform auflaufen und vor der Kamera zur Salzsäule werden.

Es gilt also, wie im Video beschrieben, zu „memorisieren“.  Also sich in die letzte Party oder vergleichbare Situation zu versetzen, wo man z.B. die anwesenden männlichen Wesen entsprechend beeindrucken wollte … Beauty Portraits sind extrovertiert und auch oftmals überzogen.

 

Posen im Headshot/Portrait

Die Hauptpose kommt durch den Ausdruck, aber auch durch das Spiel mit Händen, Haaren usw.

Man beginnt normalerweise frontal, wie im ersten Bild dargestellt. Danach geht man auf 45 Grad und 90 Grad Körperdrehung.

 

 

Man versucht einfach die wirkliche Schokolanden-Seite, nämlich den „Schokoladen-Winkel“ herauszufinden.

Jede Frau hat eine Winkel in dem ihr Gesicht am optimalsten erscheint. Das kann durchaus frontal sein, aber auch in einem Winkel, bis hin zum Profil.

Polaroids

Als Polaroids bezeichnet man in der Modellfotografie

„Verbrecherfotos für Modelle“

Sorry, kein Witz und auch nicht negativ gemeint. Der Begriff ist heutzutage verwirrend, da er mit der Polaroid-Technologie nichts zu tun hat.

Wenn es bei den Headshots um das Gesicht und die Persönlichkeit geht, so geht es hier vergleichbar um den Körper des Modells.

Man könnte auch sagen, gegen die miserablen Selfies und totbearbeiteten Bilder, mit denen sich Modelle ernsthaft bewerben.

Es ist für Fotograf und Booker in der Agentur, die Möglichkeit das reale Modell zu sehen und zu beurteilen und nicht irgend einen Fake. Viele junge Frauen meinen das ein Selfie oder das Bild eines Shootings mit einem Hobbyfotografen aussagekräftig genug wäre. Leider ist das nicht so. Durch Instagramfilter, mehr oder weniger gute Bildbearbeitung, ist ein mögliches Modell kaum noch wirklich zu beurteilen. Die Selfies verzerren alles durch die extremen Weitwinkelobjektive, oftmals skurrile Winkel (ins Decollete) und die oftmals extreme Bildbearbeitung, von gut meinenden Fotografen, ist von der Realität kaum noch etwas zu sehen.

 

Polaroid von vorne

 

Polaroid von der Seite

 

Polaroid Profil mit Nackenlinie

 

Die Bilder müssen unbearbeitet „out of camera“ sein und die wirkliche Realität zeigen. Deshalb ist es auch wichtig körperbetonte Kleidung, Bodies oder wie hier, Swimwear zu tragen. Dessous gehen natürlich auch.

Man sollte sich bewusst sein, das die Wahl des Outfits auch eine Aussage in Richtung der beabsichtigten Aufnahmebereiche bedeuten. Will man keine Dessous oder Glamour machen, so sollte man eben auch keine Polaroids in Dessous machen.

Ich amüsiere mich immer köstlich, wenn ein Modell in einer Modellkartei sagt „keine Dessous oder Akt“, dann aber verdeckten Teilakt oder sogar Akt zeigt. Man sollte immer auf die eigene Glaubwürdigkeit achten.

Beispiele im angestrebten Bereich

Jetzt wird es schwieriger. Was ist denn der angestrebte Bereich?

  • Fashion?
  • Lifestyle?
  • Glamour?

Jeder Bereich hat andere „Gesetzmäßigkeiten“. Deshalb sollte man für diesen Bereich auch mit Spezialisten aus diesem Bereich zusammenarbeiten. Ein guter Portraitfotograf ist noch lange kein guter Fashionfotograf usw.

Die meisten Modelle denken immer nur an Fashion. Aber dies ist tatsächlich finanziell der kleinste Bereich in der Modellfotografie. Das meisten Geld wird im Lifestyle und Glamour gemacht.

Man zeigt Beispiele aus den Bereichen, wo man sich (realistisch) positionieren kann.

Realistisch bedeutet, das ich als 1,63m Modell niemals High-Fashion auf dem Laufsteg machen kann, die meisten Agenturen verlangen 1,70 – 1,75m. Aber durchaus im Lifestyle, von der Zahnpasta bis zum Möbel oder Glamour (Dessous, Swimware), durchaus Chancen haben könnte. Der Stoppelhopser Silvie Meis ist ein ideales Beispiel, das auch eine kleine Frau zum erfolgreichsten Glamour-Modell Hollands werden kann.

Katalog

Dann sollte ich mindestens einige Beispielbilder im Bereich Katalog zeigen. Auch wenn dieser Bereich nicht als allzu anspruchsvoll gilt, ist er der Fashionbereich mit der höchsten Auftragsrate, ob nun Print oder Online.

Editorial

Der etwas höherwertige Bereich, der vom weißen Hintergrund abweicht und unterschiedlichste Stile und Ausleuchtungen zeigen kann.

 

 

Environmental

Der Bereich der durch Smartphone und Fashionblogs derzeit am stärksten boomt. Selbst die Vogue hat einen entsprechenden Blog. Aufnahmen die „auf der Strasse“ oder höherwertiger in entsprechender Umgebung entstehen.

Dies sind höherwertige Aufnahmen, die über die Basis-Sedcard hinweggehen und kaum in einem ersten Shooting realisierbar sind, aber für ein Modelle durchaus wichtig sind.

Beauty & Fashion

Beauty & Fashion

 

Curvy & Glamour

Bin ich eine Curvy-Modelle oder möchte Glamour machen, so muss man entsprechende Bilder in die Sedcard aufnehmen. gerade im Bereich Curvy spielen sich die höherwertigeren Aufträge oftmals im Bereich Glamour ab. Ist wohl logisch, was unterscheidet nun ein Curvy-Modelle von einem Size0?

 

 

Outfit für Sedcard-Shootings

Es sollte vorteilhaft sein.

Profane Aussage, aber nicht in der Realität. Ich bin seit Jahrzehnten fasziniert, was Frauen als vorteilhaft empfinden. Wenn also das Outfit nicht gestellt wird, muss man versuchen möglichst objektiv zu wählen oder einen Profi um Rat fragen. Definitiv nicht die beste Freundin/Feindin/Mutter …

Typgerechtes Outfit

Fällt zusammen mit dem Zielmarkt und der eigenen Figur und Persönlichkeit. Das liebe Mädel von nebenan lässt sich so gut wie nie in einen Vamp verwandeln und umgekehrt. Also wählt man Outfits, die zum angestrebten Bereich passen.

 

Outfit für Curvy

Gerade bei Plus Size und Curvy wird oft das falsche Outfit gewählt. Kein quadratisch, praktisch gut mit solchen „Hängerchen“:

Sondern gerade dann, körperbetont, mit der Hervorhebung der Stärken:

 

No Go

Auf keinen Fall doppelt- und dreifach Träger im Bild! Es mag modern sein, sieht aber auf Bilder leider immer etwas schlampig aus. Also ein Profi-Modell hat immer einen trägerlosen fleischfarbene BH in der Tasche oder ist bereit ohne BH zu shooten.

Auf jeden fall sollte die Unterwäsche, welcher Art auch immer, nicht durch das Kleid oder Oberteil durchscheinen. Wie schon gesagt ein fleischfarbener BH hilft.

Für das Shooting …

Gut vorbereiten.

Etwas schulterfreies mitnehmen

Mindestens 1-2 Outfits für jeden angestrebten Bereich einpacken. Von Kleid, Hose über Abendrobe bis Dessous. Immer das, für das man gebucht werden möchte!

Wenn man beim Fotograf punkten will … Schuhe mit sauberen Sohlen! Dreck auf weißem Rollenpapier ist sehr unbeliebt

Auf jeden Fall, es gelassen angehen … Stress ist unnötig. Gute Shootings laufen extrem gelassen ab.