Wie bekomme ich diese Lichtsetzung?

„Ich habe ein Bild gesehen und liebe die Ausleuchtung. Wie bekomme ich das hin?“

Die Frage, bekomme ich in Abständen immer wieder.

Grundsätzlich ist es einfach zu erkennen und nachzustellen. Natürlich gibt es Grenzen. Aber meine Vorgehensweise wäre:

  1. Analyse der Schatten im Bild
  2. Analyse der Highlights im Bild
  3. Analyse der Catchlights in den Augen

Analyse der Schatten im Bild

Die Schatten im Bild haben zwei Aussagen:

  1. Wo sich die Lichtquelle befand
  2. Welche Qualität das Licht hatte

Wo sich die Lichtquelle befand

Der Schatten zeigt immer in die Gegenrichtung! Damit kann die Lichtquelle niemals auf der Seite der Schatten gewesen sein.

Die Schatten befinden sich links, also war die Lichtquelle rechts. Einfach, nicht war?

Die Höhe und damit der Winkel zum Objekt ergibt sich nun durch die Richtung der Schatten. Im obigen Beispiel also ziemlich exakt parallel zum Model.

Schattenlos, ist auch eine klare Aussage. In diesem Bild war die Lichtquelle fast exakt von vorne. Auf die Position gehen wir bei den Catchlight später ein.

Die Nase war Zeuge! Der Nasenschatten sagt sehr viel über die Lichtsetzung aus. In diesem Fall ein sogenanntes Looplight. Das Bedeutet, das die Lichtquelle ca. 30- 60 Grad von rechts kam. Genauer läßt es sich nicht sagen.

Durch das sogenannte „Rembrandt-Dreieck“, der dreieckige Lichtfleck auf der Wange, weiß  man aus Erfahrung, das die Lichtquelle ebenfalls ca. 30 -60 Grad von oben kam. Aussagen zum „Rembrandt-Lighting“, das die Lichtquelle 45 Grad rechts und 45 Grad hoch stand sind absoluter Blödsinn! Jeder Mensch hat eine andere Kopfform und Gesichtserker, dadurch ist 30 – 60 Grad das höchste der Gefühle.

Hier handelt es sich um sogenanntes Butterfly-Lighting. Die Lichtquelle kommt von vorne und erhöht in einem Winkel von 20 – 60 Grad. Je flacher der Nasenschatten ist, je flacher war auch die Lichtquelle. In diesem Fall ca. 20 Grad oberhalb.

Hier ist durch die Weichheit des Lichtes, der Schatten kaum noch zu sehen. Wenn man aber genauer hinschaut kann man ihn erkennen und feststellen, das die Lichtquelle von vorne und ca. 30-40 Grad von oben kam.

Welche Qualität das Licht hatte

Der Übergang zwischen Licht und Schatten sagt etwas über die Lichtqualität aus. Sind die Übergänge kontrastreich und gehen fast direkt von hell zu dunkel, so ist es sehr hartes Licht. Sind die Übergänge kaum noch zu sehen (wie oben), so handelt es sich um sehr weiches Licht.

  • Härteres Licht bedeutet immer … Metall
  • Weicheres Licht bedeutet immer … Stoff

Es geht um die Streuung des Lichtes und nicht die Größe der Lichtquelle. Die Größe eliminiert die Schatten, macht sie aber nicht „weicher“.

Härteres Licht kommt von Reflektoren, nicht mit den Reflektoren aus Stoff usw verwechseln und Beauty Dish,

Weicheres Licht von Schirmen, Paras und Softboxen.

Welcher Lichtformer es war, sagt sehr oft das Catchlight im Auge.

Analyse der Highlights im Bild

Die Highlights im Bild z.B. auf der Stirn sagen ebenfalls etwas über die Lichtqualität aus:

  • Kleinere heller Highlights – hartes Licht
  • Große schwächere Highlights – weiches Licht

Analyse der Catchlights im Bild

Jede Lichtquelle hinterläßt einen hellen Fleck, Catchlight genannt, im Auge des Modelles.

  • Je punktförmiger und kontrastreicher das Catchlight, je härter war die Lichtquelle. Je flächiger und kontrastärmer das Catchlight, je weicher war die Lichtquelle.
  • Die Form des Catchlights entspricht der Form der Lichtquelle.

Das hilft extrem, die Lichtquelle zu bestimmen. Wenn man kein Catchlight sehen kann, Augen geschlossen oder falscher Winkel, wird es sehr schwierig.

Folgende Hinweise kann ich geben:

  • Punkt – „Bare Bulb“. Blitz ohne Lichtformer
  • Punktförmig und kontrastreich – (Blitz)Reflektor wahrscheinlich 70 Grad
  • Ringförmig und kontrastreich – Ringblitz/leuchte
  • Runde Fläche, dunklerer Kern, kontrastarm – Parabolischer Schirm (Para)
  • Runde Fläche, dunklerer Kern, kontrastreicher – Beauty Dish
  • Fast runde Fläche bisschen eckig – Oktagonale Softbox (Okta)
  • Runde helle glatte Fläche – Reflektiver Schirm
  • Runde helle Fläche mit Streifen – Durchlichtschirm (Speichen)
  • Rechteckige helle breite Fläche – Softbox
  • Rechteckige helle schmale Fläche – Stripbox
  • Rechteckig schwache Fläche – (Falt)Reflektor

Natürlich muss der Lichtformer nicht vollständig im Auge zu erkennen sein! Je nach der Position der Lichtquelle kann es eben auch ein Halbmond sein usw.

 

Einige Beispiele

Halbmond oben, Speichen sichtbar, schwaches Rechteck unten, leichter Nasenschatten als Butterfly: Schirm oder Para von vorne ca. 20 Grad von oben. Reflektor von unten.

Halbmond oben, nur schwach zu sehen. Weicher Nasenschatten nach links als „Loop“. Schwaches Highlight auf der Stirn:  Wahrscheinlich Okta von weit oben und in größerer Distanz zum Modell.

Ellipsoide helle Catchlights ziemlich mittig (Kopfneigung berücksichtigen): Großer Schirm, wahrscheinlich Durchlicht, von links. Ziemlich auf gleicher Höhe mit dem Modell.

Punktförmige hartes helles Catchlight, kaum Schatten – Wahrscheinlich „Bare Bulb“ von vorne, kein Lichtformer

Hartes kleines fast punktförmiges Catchlight links oben, Rembrandt Dreieck. Rechter Schatten aufgehellt: (Blitz)Reflektor von links oben. Wahrscheinlich ca 30-60 Grad links und 30-60 Grad von oben. Aufhellung von rechts mit weicheren Schatten. Wahrscheinlich eine Softbox schräg rechts hinter dem Modell. Klassisches Cross Lighting mit unterschiedlicher Lichtqualität.

Punktförmige Lichtquelle, harter Loop-Schatten rechts nach unten. harter Hintergrundschatten: Bare Bulb ohne Lichtformer, etwas links oben zum Modell. Zwei Abschatter, Flags genannt, in kurzem Abstand rechts und links vor dem Blitz und etwas gedreht.

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