Vorbereitung Portrait Shooting für Anfängermodelle

Wer bin ich?

Ich muss gestehen, das ich das immer ignoriere, weil ich denke, das mich in der Region und auch international eigentlich schon jedes „Modell“ kennen könnte. Aber ich sehe ein, das das bei Anfängern nicht der Fall sein kann…

Ich bin aktuell 62 Jahre alt und fotografiere seit 54 Jahren … 12 Jahre davon als Vollprofi, hauptsächlich international. Ich habe März 2016, aus privaten Gründen, beschlossen kommerziell aufzuhören und sozusagen in „Rente“ zu gehen. In 2018 werde ich endgültig in den Vorruhestand gehen.

„Die Katze lässt das Mausen nicht“ und ich habe nach rund drei Monaten Abstinenz gemerkt, das ich auch nicht 100% aufhören kann. Also habe ich angefangen TfP’s zu machen und zu schauen, ob da jemand interessantes für meine Kamera ist …

Leider hat sich jedoch herausgestellt, das „was nichts kostet, keinen Wert hat“. Respektlose, oberflächliche Hobbymodelle haben mir klar gemacht, das es so nicht geht. Also mache ich nur noch TfP für engagierte, hochmotivierte Nachwuchsmodelle und nicht-Modelle die meine Arbeit und Person respektieren.

Mittlerweile hat mich die Historie etwas eingeholt. Ich arbeite wieder für befreundete Agenturen im Bereich Sedcards und werde wohl nicht darum kommen, das eine oder andere Fashion-Projekt abzuwickeln.

 

Unterschied (weibliches) Fashion – Portrait

Fashion, sind Bilder von Frauen für Frauen. Es soll etwas an die Frau verkauft werden! Outfit usw. Es handelt sich um eine Form der Produktfotografie und dient ausschließlich der Vermarktung.

Beauty, sind ebenfalls Bilder von Frauen für Frauen. Hier soll jedoch das Makeup usw. vermarktet werden. Trotzdem sind Beauty Headshots, dem Portrait sehr nahe.

Beauty Portrait, sind Bilder von Frauen für Männer. Es sollen Männer beeindruckt werden und nicht die beste Freundin oder Feindin. Einen Mann interessiert immer nur der Inhalt und nicht die Verpackung.

Leider wird dies grundsätzlich immer falsche verstanden. Vollkommen unterschiedliche Bereiche und Zielsetzungen!

 

Warum dieser Artikel?

Um nicht alles immer wieder neu erzählen bzw. schreiben zu müssen, habe ich die wichtigsten Punkte in diesem Artikel zusammengefasst.

Da Fashion und Portrait zwei vollkommen unterschiedliche Bereiche sind, ist auch das „Posing“ vollkommen unterschiedlich.

Grundsätzlich gilt bei mir immer, sich das folgende Video nicht nur anzuschauen, sondern auch zu verinnerlichen.

Trotzdem keine Angst, es ist eigentlich ganz einfach… Man verhält sich als Frau vor der Kamera genauso, wie man sich bei Parties oder anderen Events verhält, um anwesende männliche Wesen zu beeindrucken. Wir sind im Beauty Portrait!

 

Shootingteilnehmer

Begleitpersonen sind durchaus erwünscht,solange sie sich ruhig im Hintergrund verhalten.

Vertrag

Ein Vertrag ist Bedingung. Ja, ich bestehe darauf, da es in erster Linie auch meine Absicherung ist.

Möglicher Shootingumfang

  • Beauty Headshot
  • Beauty Portrait
  • Glamour Portrait
  • Sensual Portrait
  • Fashion

Zeitlich bedingt, sind in der Praxis nur 2-3 Shootingbereiche mit insgesamt 3-5 Lichtsetzung machbar. Was damit gemeint ist nun im Detail:

Beauty Headshot

Eine Fine Art Variante

Die Beauty Headshots sind einige der wichtigsten Bilder im Portfolio eines Modelles. Er zeigt das Modell in seiner Persönlichkeit und auch in seiner Ausdruckskraft (sofern vorhanden).

 

 

Drei Beispiele des gleichen Modelles, jedoch mit unterschiedlichem Ausdruck und Zielsetzung. Das man auch gezielt durch die unterschiedliche Lichtsetzung unterstreicht. So präsentiert man sich als potentielles Beauty Modell.

Schulterfrei mit klaren Linien

Allen guten Headshots gemeinsam ist, das kein Kleidungsstück oder Accessoire den Blick des Betrachters von der Person ablenkt.

Also immer schulterfrei. Keine Träger!

Wie man dies als Modell erreicht, ist ihm überlassen. Schulterfreies Top oder Kleid, was behindernd in der Bewegungsfähigkeit sein kann oder ein trägerloser BH/Bikinioberteil.

Makeup – weniger ist mehr

Für viele Modelle sollen es ja „Bewerbungsfotos“ sein. Hier sollte man sich nicht mit überzogenem Makeup versuchen zu bewerben. Ein ganz leichtes Makeup oder wenn man es sich erlauben kann, auch ohne Makeup.

Ausdruck

Headshots sind die Königsdisziplin der Portraitfotografie. Warum? Weil nichts von der Person ablenkt und nur das, was sie dem Betrachter übermittelt zählt. Man muss also sich selbst präsentieren.

Es ist immer wieder erstaunlich, das sehr viele hübsche Frauen in einer passenden Umgebung, vom Cafe bis zur Party, zur Höchstform auflaufen und vor der Kamera zur Salzsäule werden.

Es gilt also, wie im Video beschreiben, zu „memorisieren“.  Also sich in die letzte Party oder vergleichbare Situation zu versetzen, wo man die anwesenden männlichen Wesen entsprechend beeindrucken wollte … Beauty Portraits sind extrovertiert und auch oftmals überzogen.

Posen

Die Hauptpose kommt durch den Ausdruck, aber auch durch das Spiel mit Händen, Haaren usw.

Man beginnt normalerweise frontal, wie im ersten Bild dargestellt. Danach geht man auf 45 Grad und 90 Grad Körperdrehung.

Man versucht einfach die wirkliche Schokolanden-Seite, nämlich den „Schokoladen-Winkel“ herauszufinden.

Jede Frau hat eine Winkel in dem ihr Gesicht am optimalsten erscheint. Das kann durchaus frontal sein, aber auch in einem Winkel, bis hin zum Profil.

Beauty Portrait

Das Beauty Portrait ist nun die logische Weiterentwicklung des Headshots. Man geht von der Konzentration auf das Gesicht über in den Bereich den man gerne „Brustbild“ und „Halbkörper“ bezeichnet hat:

Hier kann man einfach mit dem schulterfreien vom Headshot einfach weitermachen oder das Outfit entsprechend wechseln:

Outfit

Es sollte vorteilhaft sein. Profane Aussage, aber nicht in der Realität. Ich bin seit Jahrzehnten fasziniert, was Frauen als vorteilhaft empfinden. Im Video gehe ich speziell für Curvy/PlusSize auf das Thema ein.

Grundsätzlich empfehle ich Kleider und keine Hosen. Hosen, speziell Jeans, verzeihen nichts, wenn man keine Hosenbeine hat.

 

No Go

Auf keinen Fall doppelt- und dreifach Träger im Bild! Es mag modern sein, sieht aber auf Bilder leider immer etwas schlampig aus.

Der BH darf nicht unter dem Oberteil zu sehen sein! Weißer BH unter schwarzem Oberteil oder umgekehrt, sieht meistens im Bild schlecht aus. Das menschliche Auge übersieht und verzeiht, die Kamera nie.

Unter Profis hat sich deshalb der hautfarbene BH ohne Träger durchgesetzt oder eben ohne BH, wenn man es sich erlauben kann.

 

Farbe geht natürlich auch, nur würde ich hier wiederum schon eher von einer Fashion-Aufnahme sprechen, da das Kleid durch seine Farbe den Blick des Betrachters auf sich zieht.

Im Portrait sollte aber immer um die Person und niemals um das Outfit gehen.

Wie man anhand der vier Bilder sehen kann, kann es eine Bluse, ein Pullover oder ein Kleid sein. Entscheidend ist es das es nicht von der Person ablenkt und sie entsprechend unterstützt.

Glamour Portrait

Vorsicht, Glamour bedeutet nicht, das man sich im Bikini im Sand rekelt! Auch wenn sich das Marketing der Fashion-Industrie diesen Begriff (wie auch andere) einfach angeeignet hat.

Der Begriff stammt aus den 30ziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Glanzzeit des Hollywood Glamours und ihrere weiblichen Akteure. Alle namhaften Schauspielerinnen bis in die 60ziger Jahre wurden für die Filmstudios im „Hollywood Glamour“ abgelichtet. Heute ist es nur noch etwas für die Liebhaber hochwertiger Lichtsetzung.

Wie der Name schon sagt, es geht um die glamouröse Frau. Die Diva auf dem roten Teppich oder die Frau die sich in Schale wirft für eine Nobelparty, einen Ball oder vergleichbares.

Was man hier zeigt, ist eine andere Art der Schönheit, von der sinnlichen, erotischen Frau, bis zur kühlen Schönheit.

 

Allem gemeinsam ist die Lowkey-Lichtsetzung

Schwarzer Hintergrund, wenig Licht

Nennt man unter Insidern eben „Lowkey“.

Outfit

Wie immer, hohe Kontraste vermeiden. Es muss nicht schwarz sein! Eher klare, aber bedeckte Farben.

Es kann schon etwas glamourös sein, aber es muss kein Ballkleid sein. Wenn man eines hat, schadet es nicht.

„Sex sells“. Mit den weibliche Reizen, also hier dem Décolleté zu spielen, kann nicht Schaden, ist aber kein muss. Man sieht an der letzten Aufnahme, das es auch ohne gehen kann.

Sensual Portrait

Hat definitiv nichts mit Boudoir oder Akt zu tun. Hier geht es um Sinnlichkeit. Die geht auch ohne viel nackte Haut, aber diese schadet auch nicht.

 

ohne viel nackte Haut

 

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Aber das Spiel mit den Reizen schadet definitiv nicht.

Sensual Portrait fängt mit entsprechenden dekolletierten Kleider an und hört mit Dessous auf!

 

Fazit

Gut vorbereiten.

Etwas schulterfreies mitnehmen

drei bis vier Outfits für Beauty und Glamour einpacken. Bei Sensual etwas dekolletiertes und Dessous.

Es gelassen angehen …