TfP-Verträge und die DSVGO

Die DSGVO ist vielen ein Rätsel, weil 99,999% aller Personen die darüber reden und Tipps geben, diese niemals gelesen haben.

Ich musste für ein Unternehmen die DSVGO umsetzen und selbst ich, habe Zweifel, dass ich alle Punkte im Detail erfasst habe. Trotzdem ist die DSGVO das erste jurstische Dokument, was man auch verstehen kann (wenn man will).

Es gibt aber ein paar sehr triviale Aussagen, die aber weitreichende Auswirkungen auf Verträge und auch Social Media haben:

  • Persönliche Daten müssen geschützt werden und dürfen damit auch nicht weitergegeben werden.
  • Es dürfen nur die wirklich notwendigen Daten erfragt und gespeichert werden
  • Persönliche Daten dürfen nur solange gespeichert werden, wie es wirklich notwendig ist und sind danach zu löschen
  • Die betroffenen Personen müssen jederzeit Einsicht bekommen, was und wie ihre Daten gespeichert wurden und wie sie verwendet werden
  • Die betroffenen Personen können jederzeit auf Änderung oder Löschung ihrer Daten bestehen. Ausgenommen Daten die aus rechtlichen Gründen erhalten bleiben müssen (Verträge, …).

Ich höre täglich von TfP-Verträgen von Fotografen für (Hobby)Modelle und deren Umfang und Inhalt.

Für Alle ist wichtig zu verstehen, das diese Verträge niemals das geltende Recht außer Kraft setzen können! Sprüche wie:

“In einem freien Land … kann man freie Verträge machen …”

sind absoluter Bullshit. Eine “intelligente” Bemerkung, die in vielen (Modell)Gruppen und von Fotografen zu TfP-Verträgen und den aktuellen Inhalten (die oftmals schon sehr verschroben sind) gemacht wird. Nein, ihr könnt keine Verträge machen, wie es auch passt, weder in der Fotografie noch in anderen Bereichen. 

Ihr könnt auch Social Media nicht als rechtsfreien Ort betrachten und tun und lassen was ihr wollt.

Die Wahrheit ist, das wir in einem Rechtsstaat leben, was bedeutet das sich allen an das Gesetz halten müssen. Auch Fotografen und Modelle!

Es gilt, das wenn einen Passus in einem Vertrag gegen geltendes Recht verstößt, der ganze Absatz ungültig ist! Bei schweren Verstößen der ganze Vertrag!

Zusätzlich muss im Vertrag festgelegt sein, das der Fotograf die Persönlichkeitsrechte des Modelles wahrt! Dies bedeutete aber, das sehr viele Klauseln von denen ich gehört habe, unrechtmäßig sind und daher mindestens dieser Absatz ungültig ist.

DSVGO

Ab dem 25.5.18 trat das neue europäische Datenschutzgesetz in Kraft, das u.a. eine klare Definition was mit persönlichen Daten zu geschehen hat beinhaltet.

Deshalb sind im Social Media gemachte Äußerungen das man mit wegen der DSGVO Texte mit “Dies ist eine Werbung” kennzeichnen müsste, absoluter Bullshit.

In unserem Fall kann also ein Modell jederzeit widersprechen und die Löschung sowie Übergabe seiner persönlichen Daten vom Fotografen fordern, soweit dies nicht aus rechtlichen Gründen (Finanzbehörden …) unmöglich ist. Dies betrifft aber nicht nur die Adress- und Kommunikationsdaten, auch Social Media Texte, gegebenfalls auch die Bilder, da diese als persönliches Datum gewertet werden können. Solange hier kein Grundsatzurteil erfolgt ist, gilt jedes Wort des Gesetzes.

Weiterhin gilt die Minimierung und zeitliche Beschränkung der “Datenhaltung” der persönlichen Daten des Modelles. Somit müssen die Verträge zwar nach anderer Gesetzgebung über Jahre aufbewahrt werden, aber das gilt eben nicht für die weitere Speicherung der Adress- und Kommunikationsdaten, sowie des Emailverkehrs usw. Diese müssten eigentlich nach Ende des Vertrages, spätestens 4 Wochen danach, gelöscht werden.

Zeitlich unbeschränkte Verträge sind damit eigentlich nicht haltbar.

Social Media ist aber zeitlich unbegrenzt und in der Realität nicht kontrollierbar (Google Search, Caching, …). Hier werden täglich persönliche Daten sogar mit Absicht unkontrollierbar verbreitet.

Wie will der Autor eines Textes im Social Media gewährleisten, das die dort genannten persönlichen Daten nach angemessener Zeit gelöscht werden und eine unkontrollierte Weitergabe an Dritte vermieden wird?

Die Weitergabe von persönlichen Daten an Dritte ohne schriftliche Einwilligung des Modelles ist untersagt. 

Wenn der Dritte außerhalb der EU sitzt, z.B. Facebook, wird es noch amüsanter.

Das bedeutet aber, das eine namentliche Nennung und sogar Verlinkung auf Facebook & Co.KG gegen geltendes Recht verstoßen würde, wenn keine schriftliche Einwilligung existiert! Hier sind die TfP-Verträge definitiv zu überarbeiten oder wie ich es einfach mache…

Keine Nennung und/oder Verlinkung ohne schriftliche Anforderung vom (Hobby)Modell mehr.

Im Falle von professionellen Aufnahmen liegen normalerweise exakte Verträge vor, die dies regeln. Profi-Modelle, Agenturen, Visa’s usw. wollen aus Marketinggründen natürlich genannt werden und bestehen schriftlich fixiert darauf.

Fazit für Fotografen

Lasst euch eure TfP-Verträge vom Fachanwalt machen. Und nur vom Fachanwalt! Ich habe das vor Jahren gemacht und überlege es in nächster Zeit zu wiederholen (DSVGO).

Fazit für Modelle

Seit euch bewusst, was ihr macht, wenn ihr unkontrolliert eure persönlichen Daten im Internet verbreitet.