Technische Perfektion. Der Haupthinderungsgrund für Erfolg?

Das Titelbild bekam in einer Facebook-Gruppe folgenden Kommentar und jede Menge Zustimmung. Mittlerweile bin ich aus der Gruppe ausgetreten, das hat aber andere Gründe (separater Artikel):

Wunderbarer Ausdruck, aber warum ist der Kopf abgeschnitten? Und warum Landscape?

Nun, er war im Weg. Scherz!

Im Grunde sind es drei Gründe:

  • Konzentration auf das Wichtige
  • Auslösen zum richtigen Zeitpunkt
  • Stilmittel bei Headshots

und damit „der Mut zum Risiko“, auch mal eine nicht optimale Komposition zu erwischen.

Konzentration auf das Wichtige

Ich bin immer wieder fasziniert, das Fotografen zwar bemerken was eigentlich wichtig ist (wunderbarer Ausdruck), aber dann doch wieder im Sinne der perfekten Technik, aus meiner Sicht versagen.

Wenn ich schon begriffen habe, das in einem „wirklichen“ Portrait das einzig wichtige die Person und ihr Ausdruck ist… Warum halte ich mich dann nicht daran?

Ob ihr Kopf oben etwas, etwas zu viel oder gar nicht angeschnitten ist, interessiert niemanden wirklich, nur Fotografen. Natürlich geht in der Bevölkerung die Meinung auseinander, ob man überhaupt einen Kopf anschneiden sollte oder nicht. Meine Mutter (mit 90) würde es konsequent ablehnen, da sie es Zeit ihres Lebens nicht anders kennengelernt hat.

Grundsätzlich ist das alles Geschmackssache, trägt aber zur Qualität des Bildes nichts hinzu.

Entscheidend sind die Emotionen, die das Bild beim Betrachter hervorbringt

 

Keine emotionale Bindung zum Bild, kein Erfolg. Wie gesagt, wir sprechen hier von wirklichen Portraits und nicht von Erotik, also pseudo-Portraits mit viel nackter Haut. Das zielt nur auf die untere Etage männlicher Betrachter und zählt nicht.

Aber selbst in diesem Umfeld zählt das „emotionale“. Eben nicht Richtung Herz und Gehirn, sondern Schwanz, aber auch hier würde ein Betrachter niemals auf die technische Perfektion achten.

Auslösen zum richtigen Zeitpunkt

(Studio)Fotografen tun immer so als hätten sie alle Zeit der Welt. Sie positionieren ihr Modell über Minuten. Alles muss absolut exakt sein. Die Haltung des Körpers, der Hand. Sie denken lange darüber nach, welche Komposition und ihre Positionierung …

Sie vergessen aber eben den absolut wichtigen Teil des Portraits. Ein in ein kompositorisches Korsett gequältes Modell, hat überhaupt keine Chance einen realistischen Ausdruck anzunehmen. Sie quält sich einen ab.

Ob man nun bei einem Event oder im Studio arbeitet. Der wichtige Punkt ist, den Moment zu sehen, in dem ihr Ausdruck optimal ist.

 

Es geht hier um Zehntelsekunden und nicht um Minuten!

Problem ist dann aber auch, das durch die Schnelligkeit auch mal die „Komposition“ auf der Strecke bleibt. Man muss sich in Sekundenbruchteilen entscheiden was wichtiger ist, der Ausdruck oder die perfekte Technik.

 

Ich entscheide mich grundsätzlich immer für den Ausdruck. Und wenn der Kopf etwas zu sehr angeschnitten ist… wen interessiert es.

Müsste ich meine Portraits auf der Basis von Technik und irgendwelchen schwachsinnigen „Gesetzen“ machen, würde ich aufhören. Deshalb bin ich in diesem Punkt auch in keinster Weise diskussionsfähig.

Ich empfehle jedem Fotografen, ab einem bestimmten Zeitpunkt, „gut gemeinte Ratschläge“ oder „konstruktive Kritik“ zu ignorieren. Wer weiß was er will und damit erfolgreich ist, braucht niemanden der ihn von seinem Weg abbringen will.

Stilmittel bei Headshots

Ja, die gibt es. Sind aber auch kein Gesetz. Wie man oben gut erkennen kann, wechsele auch ich kontinuierlich von Portrait zu Landscape.

Trotzdem ziehe ich bei „normalen“ Headshots im Studio Landscape vor. Warum?

Weil ich die klare Schulterlinie und Symmetrie mag. Zudem kann ich mich zusätzlich sehr gut auf das Gesicht und seinen Ausdruck konzentrieren.

 

Mir gefällt aber auch der „Leerraum im Bild“, bei seitlichen Aufnahmen.

Bei diesem Beispiel hatte ich die Wahl, Pullover und Schulter (rechts unten), als „leading lines“ zu nutzen oder Schulter und Hinterkopf anzuschneiden. Ich habe mich in Sekundenbruchteilen für diese Varainte entschieden, um den Ausdruck nicht zu verlieren.

Schnelligkeit und Freiheit

Ich gebe meinen Modellen alle Freiheiten sich frei auszudrücken. Es gibt bei Posingtipps, aber kein Posing. Ich möchte, das sie sich entspannen und einen möglichst realistischen Ausdruck annehmen, der ihr persönlich entspricht.

Ich dränge auch kein Modell in irgendeine Richtung. Aus einem netten Mädel von nebenan, einen Vamp zu machen bringt überhaupt nichts.

Ich arbeite im Studio genauso schnell. wie ich auf einem Event, Homeshooting oder wo auch immer arbeiten würde. Immer bewußt, das der Moment und damit Ausdruck entscheidend ist. Wenn ich versage, ist es normalerweise, wenn das Modell keinen Ausdruck hat.