Portrait ist nicht Beauty

Es gibt zwei Problemkreise die mich im Social Media nerven:

  • Fashion-like und
  • Beauty-like

Den ersten Punkt hatte ich in einem anderen Artikel schon einmal behandelt. Der Zweite kommt heute dran.

Nur weil ich eine schöne Frau vor der Kamera habe ist es noch lange kein Beauty

Es ist genauso wie im Fashion-like Szenario:

Beauty und Fashion wird ausschließlich vom zu verkaufenden Produkt bestimmt. Es ist und bleibt Produktmarketing.

Wenn ich also ein Modell in einem Headshot abbilde, ist es definitiv kein Beauty und nur weil sie etwas anhat kein Fashion.

Warum ist das dann eigentlich ein Thema?

Weil Fotografen und Bildbearbeiter mit brachialischer Gewalt aus einem Portrait ein Beauty machen. Ob mit Sinn und Verstand, ist oftmals fraglich, da sie anscheinend überhaupt nicht Wissen worum es eigentlich geht.

Mann imitiert Beauty-Aufnahmen und macht aus einem normalen Portrait einer Frau eine Barbie-Puppe. Und findet den Sch… auch noch schön!

Worin besteht nun der Unterschied?

Wenn ich eine Frau ohne kommerziellen Auftrag im Bereich Beauty-Produkte fotografiere, ist und bleibt es ein Portrait.

Bei Portraits geht es aber nicht nur um die Person, sondern auch rechtlich um die Wahrung von Persönlichkeitsrechten. Kein Vertrag der Welt und stillschweigendes Abkommen, kann das Gesetz ad absurdum führen.

Portrait
Beauty

Ich kann im Portrait mit

  • Helligkeitswerten
  • Kontrast
  • Farbe

arbeiten. Ich kann auch temporäre Verunreinigungen, Pickel und Rötungen entfernen. Aber konstante Merkmale der Person z.B. Augenringe, Muttermale, Sommersprossen sind absolutes Taboo.

Beim Beauty ist das vollkommen anders. Es handelt sich um eine kommerzielle Produktfotografie, wo die Persönlichkeitsrechte durch den Vertrag gezielt und sichtbar eingeschränkt werden. Das Modell gibt sozusagen Teile seiner Rechte an der Gardarobe ab und es ist kein Portrait mehr.

Fantasy
Fantasy

Hier steht nun das zu vermarktende Produkt im Vordergrund und das Modell ist ein eigentlich anonymes Trägermedium, das jederzeit ersetzt werden kann.

Es werden alle störenden Elemente entfernt und teilweise auch ersetzt. Es geschieht nicht selten, das die komplette Hautstruktur mit einer künstlichen perfekten Haut ersetzt wird. Barbie lebt!

99% meiner Aufnahmen sind somit Portraits, auch wenn sie schöne Frauen zeigen. Ich gehe bei meiner Bildbearbeitung schon sehr weit, aber niemals über die Grenzen des Persönlichkeitsrechts.

Wenn ich also nachweisliche Portraits sehe, bei denen der Bildbearbeiter versucht hat ein Beauty daraus zu machen, dreht sich mir der Magen um. Schon weil hier 90% aller “Bildbearbeiter” auch noch absolute Dilettanten sind. Wenn sie wenigstens was könnten …