Löschen … ist das wichtigste in der Fotografie

Würde mich wundern, wenn nun jeder weiß, was damit gemeint ist.

Editing, Culling, …

Sind die dazu passenden internationalen Begriffe. Damit ist gemeint seine Bilder zu sortieren und auch zu vernichten …

Die meisten Fotografen tun sich bei der Beurteilung ihrer eigenen Bilder schwer. Meistens setzen sie sie in Social Media und hoffen, das tatsächlich jemand da ist, der soviel Fachverstand hat, dass er tatsächlich helfen kann.

Absoluter Blödsinn. Erstens, ist die Beurteilung des Bildes absolut subjektiv. Eine „Objektivität“ geht gar nicht, da es in den künstlerischen Bereichen und hierzu zählt die die Fotografie, keinerlei objektive Gesetzmäßigkeiten gibt. Entweder es gefällt oder gefällt nicht.

Kuratoren

Etwas anderes ist es, wenn man mit dem Bild eine spezielle Käufergruppe ansprechen möchte. Hier ist das Bild kein Selbstzweck mehr, sonder ist Teil unserer kapitalistischen Gesellschaft. Entweder es ist verkäuflich oder nicht. Hier können die jeweiligen Käufer, Kuratoren, Agenturen, Galerien, … selbst helfen. Sie haben ein „kapitalistisches“ Gefühl, was geht oder nicht. Der Betrachter im Social Media auf keinen Fall.

Selbstkritik

Möchte man seine Bilder nicht kommerzialisieren, sondern macht sie nur für sich selbst, dann sollte man sie auch selbst beurteilen. Dieser Prozess ist wichtig und sollte regelmäßig stattfinden. Ich habe hier einen eigenen Rhythmus, den ich auch strikt einhalte:

  • Nach der Aufnahme beim Import
  • Nach 2-3 Monaten
  • Ende des Jahres zwischen den Feiertagen

Nach der Aufnahme beim Import

Versuche ich die die Bilder zu identifizieren, die unscharf sind, eine inakzeptable Komposition haben oder das Modell einfach keinen akzeptablen Ausdruck zeigt. Das gilt auch für Architektur, Landschaft oder Produkt. Diese Bilder werden sofort gelöscht und kommen gar nicht erst auf die Festplatte.

Leider muss ich in letzter Zeit feststellen, das meine Augen immer schlechter werden und die Zahl der „unscharfen“ Aufnahmen zunimmt. Keine Ahnung, wie lange das noch gut geht. Wer nun denkt das der „Autofokus“ hilft, der täuscht sich bei Offenblende gewaltig. Ich habe mehr Ausschuss durch den Autofokus als durch meine Augen …

Die verbleibenden Bilder werden nun zusätzlich archiviert, man weiß ja nie und bei TfP geht ein Satz der Orginale zum Modell. Ich stehe auf dem Standpunkt TfP wörtlich zu nehmen. Das Modell hat eine Leistung erbracht und deshalb das Recht auf alle technisch einwandfreien Bilder (eigentlich auf alle). Was die meisten Fotografen so treiben ist nicht nur unfair, dem Modell gegenüber, sonder rechtlich auch sehr fraglich.

Nach 2-3 Monaten

Es ist sehr wichtig, bevor man anfängt zu editieren, eine persönliche Distanz zu bekommen. Nach einem Shooting, Urlaub oder was auch immer, ist man emotional mit den Bildern verbunden. Es fehlt die notwendige Distanz, um relativ objektiv an die Sache heran zu gehen.

Ich nehme mir die Bilder nochmals im Detail vor und beurteile sie nur nach zwei Kriterien:

  • Würde ich die Aufnahme veröffentlichen oder ausdrucken?
  • Ist es wirklich die beste Aufnahme innerhalb eines Sets?

Dank der Digitalisierung machen wir ein Vielfaches an Aufnahmen, wie zu analogen Zeiten. Wir machen „Sets“ von Aufnahmen von einer Situation, einer Landschaft oder einer Modellpose. Ich benötige aber nur eine Aufnahme und nicht mehr von einem Set. Nichts hat sich geändert. Also muss man innerhalb eines Sets das besten Bild identifizieren und die anderen am besten sofort löschen.

Es bringt auch nichts Bilder das Archiv „zu müllen“ zu lassen, wenn ich diese niemals zeigen würde oder an eine Wand hängen würde! Diese Bilder sind überflüssig. Es gibt ja einen Grund, warum ich diese nicht zeigen würde. Also löschen.

Ende des Jahres zwischen den Feiertagen

Also konkret jetzt! Ich sitze gerade am PC und mache nichts anderes, als mein Archiv von 2017 zu editieren. Dazu stelle ich mir bei jedem Bild nur die eine Frage:

Würde ich diese Aufnahme in der Zukunft veröffentlichen?

Wenn die Antwort nein ist, wird das Bild gelöscht. Wenn die Antwort ja ist, Frage ich mich nur noch, ob ich es in den nächsten Tagen veröffentlichen werde oder nicht.

Falls ja, bekommt es kurzfristig noch den letzten Schliff und wird im passenden Format in das hierfür vorgesehene Verzeichnis exportiert und es geht weiter im „Culling“.

Man wird nur besser, wenn man ehrlich zu sich selbst ist

Es geht gar nicht darum, Speicherplatz zu sparen. Der kostet heutzutage eigentlich nichts mehr.

Es geht darum besser zu werden! Mit jeder Entscheidung ein Bild zu löschen, gibt es auch eine Entscheidung warum. Wenn man sich klar macht, warum man das Bild nicht veröffentlichen will, wird einem auch klar, was man beim nächsten Mal anders machen müsste.

Die Japaner nennen das „Kaizen“. Es funktioniert in der Automobilindustrie und es funktioniert auch in allen anderen Lebenslagen. Die „kontinuierliche Verbesserung“ muss das Zeil sein. Leider haben immer weniger Fotografen die Geduld und Beständigkeit, deshalb wird der Bereich des Mittelmaßes (Gausssche Normalverteilung) auch immer breiter.