Kamerahersteller lügen nicht …

Nein, sie verschweigen nur …

Ich war selbst lange Zeit im Marketing und Vertrieb in der IT tätig.

Man lügt grundsätzlich nicht. Das könnte rechtliche Folgen haben und entsprechend viel Geld kosten.

Anstatt zu lügen, geht man dem einfach durch verschweigen von Tatsachen aus dem Weg. Ich bringe ein paar Beispiele, natürlich ohne namentliche Nennung wegen der möglichen rechtlichen Konsequenzen.

Informationen einfach unterschlagen

Vor Jahren hat ein namhafter Kamerahersteller als erster eine 4K-fähige Kamera mit großem Marketing-Tam-Tam vorgestellt. Er hat nur vergessen zu sagen, das die Kamera wegen Überhitzung schon nach ein, zwei Minuten abschaltet und erst nach einiger Zeit wieder einsatzfähig ist.

Rahmenbedingungen nicht veröffentlichen

Bleiben wir bei 4K. Ein weiterer Hersteller hat ebenfalls seine Kamera mit hohem Werbeaufwand als extrem kompakte 4K-Kamera “verkauft”. Er hat nur vergessen zu sagen, das dies nur bei maximal 30 Bilder pro Sekunde funktioniert.

Ein weitere aktueller Wahnsinn, sind die Aussagen zu Bilder pro Sekunde im Fotobereich. Jeder hat nun die schnellste Kamera mit den meisten Auslösungen pro Sekunde.

Man vergisst aber zu sagen, das das nur bei stehenden Objekten funktioniert, da dort das AF nicht nachgefahren werden muss. Bei bewegten Objekten, wo man den AF nun einmal für scharfe Bilder braucht, verringert sich die Rate teilweise um Faktoren.

Auch vergisst man einfach zu sagen, das dies durch den internen Buffer nur für eine begrenzte Anzahl von Bildern und damit Sekunden gilt. Die Entleerung des Buffers auf die Speicherkarte kann dann, je nach Karte, schon einmal ein paar Minuten dauern. So ein Pech aber auch

Überprüfbarkeit vermeiden

Gerne benutzt man Marketingaussagen die wissenschaftlich nicht oder extrem schwer nachweisbar sind.

Der aktuell schnellste Autofokus der Welt …

ist ein typisches Beispiel. Auch hier sind weder die Rahmenbedingungen nachvollziehbar definiert, noch wirklich nachprüfbar.

Ich hoffe das euch wenigstens das Betragsbild gefallen hat. Ich hatte leider keine Banane zur Verfügung, aber genauso klebrig und zäh sind auch die Aussagen von Marketees.

Test in Social Media

Solltet ihr mit mehr als Skepsis betrachten. Eine Reihe von Fotografen verdienen sich ihren Unterhalt durch Kooperation mit Herstellern.

Andere sind Hersteller-Groupies, für die alles was “ihr” Hersteller herausbringt toll und vom Mitbewerb Mist ist.

Ich traue persönlich keinem Test von Jemanden der seit Jahren ausschließlich Equipment des speziellen Herstellers verwendet. Eine Objektivität ist hier nicht mehr gegeben. Da schließe ich mich nicht aus.

Es gibt aber eine handvoll Profis, die mit Kameras unterschiedlichster Hersteller arbeiten. Das macht je nach Aufgabengebiet absolut Sinn. Bei denen kann man eine gewisse Distanz erhoffen (aber nicht sicher sein).

“Unabhängige Tests”

Nun, wer ist schon noch unabhängig? Hier sollte man immer hinterfragen, wo derjenige seine Finanzierung her bekommt.

Magazine leben auch von der Werbung, gerade der großen Hersteller. Sind sie dann noch wirklich unabhängig? Ich will ihnen nichts unterstellen, ziehe aber andere Informationsquellen vor.

Es gibt noch unabhängige Testinstitute, aber die werden dann auch wieder von Magazinen usw. beauftragt. Trotzdem ist hier die größte Wahrscheinlichkeit der Objektivität gegeben.

Fazit

Lasst euch vom Marketing nicht ins Bockshorn jagen. Hinterfragt jede vollmundige Aussage und vertraut besser dem eigenen Eindruck.

Wer eine teure Kamera ohne Probe, nur nach Aktenlage, kauft, geht ein hohes Risiko ein.

Die Datenblätter und Testberichte spiegeln nicht die Realität wieder. Jeder Mensch hat subjektive Beurteilungsmerkmale. Diese sind in der Realität weitaus wichtiger als 1% schnellerer Autofokus (wenn überhaupt) und größerer Sensor.

Es gibt definitiv Netteres als Auflösung, Framerate usw.