Die Nase ist für die Lichtsetzung entscheidend …

Ich hatte einmal einen Youtube-Channel mit entsprechend über 200 Tutorials, einige eBooks auf Amazon und ein paar Vorträge in der Region. Nachdem ich das erst einmal alles auf Null zurückgesetzt habe, werde ich wieder anfangen ein paar Tutorial „aufzuwärmen“.

Ich hatte mal ein Projekt für einen Vortag gemacht über die Lichtsetzung in „Homestudios“. Den Gesichtern im Saal nach zu urteilen, hat kaum einer verstanden, worüber ich überhaupt geredet habe. Deshalb hier nochmals der Einführungbereich in die Lichtsetzung.

Was Lichtsetzung wirklich ist

Lichtsetzung muss man in zwei Bereiche unterteilen:

  • Das Licht in Relation zum Modell
  • Das Licht in Relation zur Kamera

Wenn man so die übliche Literatur ließt, denkt man, alles wäre über den zweiten Punkt abgedeckt, aber der ist gerade in der Priorität auf Platz 2.

Das Licht in Relation zur Nase des Modelles

Ja, kein Witz, sondern wirklich ernst zu nehmen. Die Richtung der Nase des Modelles zu Relation zur Lichtquelle bestimmt den wichtigsten Bereich der Lichtsetzung. Die Lichtart:

  • Flat Light
  • Butterfly Light
  • Lupe Light
  • Rembrand Light
  • Split Light
  • Rim Light

Ich benutze mit Absicht die englischen Begriffe, um eine Weiterbildung im englischsprachigen nicht nur zu ermöglichen, sondern auch zu empfehlen. Was ich im deutschsprachigem Bereich so täglich sehe, ist gelinde gesagt  zweitklassig. Ausnahmen bestätigen die Regel und eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

 

Ein Bild aus dem besagten Vortrag.

Der Winkel, horizontal und vertikal, zwischen der Nase des Modells und der Lichtquelle bestimmt die Lichtart.

Diese bestimmt die Qualität der Hautdarstellung und die Schattenbildung auf dem Gesicht! Daher kommen im weiteren auch die Namen der entsprechenden Lichtarten.

Arbeiten wir mit einem Licht und stehen mit der Kamera direkt vor dem Modell, so ist Lichtsetzung und Lichtart identisch. Aber nur dann. In der Literatur, Youtube usw. wird darauf leider nicht hingewiesen. Ich müsste glücklich sein das es so ist, da es nun einmal eine Komponente ist, die ausmacht, was ein guter oder ein … Fotografen ist.

Flat Light

Flaches Licht, direkt zwischen die Augen. Das was wir von On Camera Flash kennen und unnötigerweise fürchten.

 

Ja, das ist Flat Light, auch wenn man es nicht vermuten würde. Die Nase des Modells befindet sich horizontal und vertikal genau in der Achse des Lichtformers.

Es zeigt, das Flat Light eine der besten Licharten für Beauty Portraits ist! Die Hautstruktur ist ideal, da das Licht alle Poren ausfüllt und Unebenheiten nicht stark hervorhebt. Ich sage deshalb immer zu meinen Modellen:

Das Licht ist dein Freund und nicht die Kamera

Also im Zweifelsfall immer zum Licht orientieren.

Warum wirkt das Bild trotzdem plastisch und schön? Weil die Kamera auf die sogenannte „Short Side“ des Modelles, der Schattenseite gerichtet ist. Es handelt sich hier also um eine

Short Side, Flat Light – Lichtsetzung

Im Headshot direkt von vorne würde man das Licht so nicht verwenden, da es zu „flach“ ist. Hier ist Butterfly Light die richtige Wahl.

Butterfly Light

Wie das Flat Light nur setz man den Lichtformer etwas nach oben

Es gibt unter der Nase einen kleinen Schatten, der wie ein Schmetterling aussehen soll. Bei einem sehr weichem Licht, wie hier, ist er sehr diffus und schwach zu sehen. So ein 2,20m Deep Okta ist schon was feines.

 

Deshalb hier nochmal eine Vergrößerung bei etwas härterem Licht.

Geht man nun hin und benutzt einen Reflektor (am besten weiß) von unten, um die Schatten etwas aufzuhellen, kommt man zur Standard-Lichtsetzung des Beauty Portraits, dem

Clamshell Lighting

Gefühlt tausend mal angewendet in meinem Leben.

Loop Light

Bewegt man nun das Licht in einem Winkel von 30 – 60 Grad in der horizontalen zur Seite, so bildet sich ein neuer Schatten an der Nase, der dieser Lichtart seinen Namen gegeben hat:

 

Geht man nun hin und setzte die Lichtquelle in einem Winkel von 30 – 60 vertikale nach oben, so kommt an zum berüchtigten Rembrand Light

Rembrandt Light

Mit dem Namen tue ich mich etwas schwer, weil fast alle Bilder, die ich persönlich von Rembrandt im Orginal gesehen habe … eigentlich Loop Lighting waren. Sorry.

Es ist kein perfektes Rembrandt Light, weil der Schatten der Nase sich nicht mit dem Schatten der Wange berührt … Es soll ein helles Dreieck auf der Wange entstehen. Nette Theorie.

Rembrandt Light (Loop Light) ist extrem dramatisch und vom Maler niemals auf Frauen angewendet worden. Warum wohl?

Split Light

Split Light kommt in einem Winkel von ca. 90 Grad zur Nase des Modells.

Es trennt Spreu vom Weizen. Sorry, Scherz. Nein, es trennt Licht vom Schatten. Benutzt man extrem weiches Licht, so sind diese Übergänge mehr fleißend und es kommt auch Licht in den Schattenbereich.

Auch das ist Split Light mit einer entsprechend großen Softbox.

Möchte man also eine klare Grenze zwischen Licht und Schatten haben, so sollte man zu härterem Licht greifen.

Rim Light

Im Portrait kaum als Hauptlicht eingesetzt. Eher als Haarlicht oder Effektlicht.

Hier wurde ein Rembrandt, mit einem Rim kombiniert. Das Rim wurde aber nicht wie eine schwaches akzentuiertes Kantenlicht gesetzt, sondern als zweites Hauptlicht.

 

Hier arbeitet das Rim als Haarlicht.

Rim Light als Hauptlicht findet ihr eigentlich nur in der Erotik-Fotografie, spezielle Akt.

Fazit

Ob nun im Studio oder Outdoor. Schaut euch die Nase des Modells und deren Richtung zur Lichtquelle an. Bevor ihr anfangt das Körperposing zu forcieren, forciert die Positionierung der „Nase“ in der richtigen Weise.