Aus dem Leben eines Fotografen …

oder warum ich “Hobbymodelle” so liebe.

Ich bin mittlerweile dafür bekannt, das ich über die Jahre ein Gegner von “weiblichen Hobbymodellen” geworden bin.

Warum? Darüber könnte man ein Buch schreiben. Die Basis bilden hunderte Shootings in den letzten Jahren, davon alleine 88 in 2018!

Aber hier nun ein aktuelles beispielhaftes Ereignis:

  • Anfrage durch zwei weibliche (Hobby)Modelle im November. Man möchte sehr gerne usw.
  • Kurzes Studium der Bewerbungsbilder und die Überlegung, warum nicht. Wenn ich immer noch etwas gerne mache, ist es Modellen die Möglichkeit zu geben ihr Portfolio zu verbessern oder auch richtige Sedcards zu erstellen. Mache ich ja auch für die Agentur und warum eben nicht auch für nicht Curvy’s.
  • Termin am 10.1. festgelegt und wie bei mir üblich einen Link zum Artikel für die Vorbereitung mit Video und Anfahrtsbeschreibung geschickt. Noch großartiges Danke usw. Danach Schweigen.
  • Aus schlechter Erfahrung gestern per Chat nachgefragt, ob der Termin noch steht. Keine Reaktion.
  • Heute nochmals per Chat nachgefasst, das ich wohl davon ausgehen müsste das mal wieder keiner erscheint (Tagesgeschäft bei Hobbymodellen).
  • Erste Reaktion eines der Modelle “Hi sorry hatte mich noch nicht gemeldet weil meine Freundin sich erst später melden wollte ob das mit morgen was wird. Wo war das noch mal und welche Bilder ? “
  • Also weder den Artikel gelesen, noch die Anfahrt gespeichert, wahrscheinlich keinen Termin im Kalender eingetragen und erst recht nicht realisiert mit wem man es zu tun hat.
  • (Noch) nette Antwort, das es im Studio in der Nähe des Duisburger HBF ist und das es um Bilder fürs Portfolio/Sedcard geht …
  • “Ok wir können gerne auch normale Bilder dann machen da ich Erfahrungen gesammelt habe und schon sehr viele Shootings hatte”
  • So so, normale Bilder? Irgendwie gerafft, worum es geht?
  • Meine Antwort, das man dann auch weiter viele Shootings machen sollte und ich keine Lust habe dafür meine Zeit zu opfern (Sorry, mittlerweile schon geladen)
  • Unverständnis Emoji auf der anderen Seite. nachvollziehbar, wenn man wirklich keine Ahnung hat, worum es geht.
  • Kleiner Hinweis, das man es schon wissen könnte, wenn man sich den Artikel und das Video angesehen hätte. Das es aus meiner Sicht eine Nettigkeit ist, das ich für umsonst (als Profi) Bilder mache und das ich eigentlich dafür nur Höflichkeit und ein wenig Respekt erwarten würde … Absagen, gehört für mich zur Höflichkeit und sich Vorbereiten zum Respekt. Noch eine kurze Zusammenfassung (aus dem Artikel), wer ich bin und mit wem und welchen Agenturen ich bei Sedcards zusammenarbeite …
  • “Warum so frech das aber nicht erwachsen . naja darauf hab ich dann auch nicht wirklich Lust und ich mach das als Hobby ich will nicht Gros raus kommen oder sonst was und die Bilder die ich machen lassen haben sind der Hammer ….” Den Rest lassen wir mal, weil es schon sehr aggressiv wurde.
  • Natürlich umgehend blockiert und dann diesen Artikel geschrieben

Was zeigt dieses Beispiel von mittlerweilen vielen?

Das sehr viele Frauen ein Problem mit dem Zugestehen von Fehlern und einer Entschuldigung haben. Statt dessen geht man in den Gegenangriff über. Gerne auch unter der Gürtellinie z.B. ich shoote nur mit guten Fotografen usw.

Wenn es um nichts geht, ist es auch nichts Wert. Das ist vergleichbar mit “was nichts kostet, taugt nichts”.

Die Bilder, vom wem auch immer, sind “nice to have”. Der Fotograf ist Nebensache und seine Arbeit wird auch nicht wirklich respektiert (weil nicht honoriert).

Das führt schnell zur Oberflächlichkeit. Habe ich gerade keine Lust oder es vergessen, dann ist es eben so und ich gehe einfach nicht hin (zum Shooting).

Professionalität, ist ein Schimpfwort. Warum? Weil es bedingt, das man das Ganze ernst nimmt, sich intensiv vorbereitet, sich höflich verhält und nebenbei auch noch die Arbeit des Fotografen respektiert. Zudem ist es ja mit Arbeit verbunden …

Warum ist das bei New Faces anders?

Nun, trivial. Weil es bei ihnen um etwas geht.

  • Sie wollen ja eine professionelle Sedcard/Portfolio haben um sich bei Agenturen bewerben zu können.
  • Sie wollen als Modell Karriere machen und vielleicht endlich weg vom ungeliebten Job komme …
  • Sie wollen, wenn eben möglich, aus ihrer jetzigen beruflichen Situation heraus und möglicherweise ihre Existenz mit modeln bestreiten.

Das bringt automatisch Engagement, Höflichkeit und auch Respekt mit sich. Da kann man nur im Einzelfall klagen.

Das ich mich auf diese konzentrieren werde, ist glaube ich nachvollziehbar.

Wie sieht es mit normalen Frauen aus?

Ja, wer sich nicht als Model bezeichnet, ist eine normale Frau. Das Thema “Ich bin ein Modell” und die damit oftmals verbundene psychische Veränderung, war schon öfter ein Thema.

Normale Frauen, die noch niemals vor einer (professionellen) Kamera gestanden haben, sind im Regelfall kein Problem. Sie stehen meistens noch mit beiden Beinen in der Realität und haben eher Angst vor Shooting und Fotograf als Größenwahn.

Es ist aber die Ausnahme, das diese sich melden und vor die Kamera begeben. Eigentlich Schade.

Zu Pauschal?

Auf den ersten Blick … Ja.

Auf den Zweiten, nicht wirklich. Der Prozentsatz der oben beschrieben Hobbymodelle steigt seit Jahren exponentiell. Da sind die normalen, geerdeten mittlerweile die Ausnahme geworden. Leider.

Ich hatte vor ein paar Wochen, aus einem weiteren Anlass, geschrieben, das ich nicht mehr mit Hobbymodellen shooten werde. Das war auch ernst gemeint. Die Beiden waren nur noch auf der Liste die es abzuarbeiten galt. Ich halte meine Zusagen.

Meine Frau befürchtet, zu recht, das bei der aktuellen Rechtslage, einige Hobbymodelle auf den Gedanken kommen könnten sich, für meine Offenheit und Outings, zu rächen. Wäre ja, bei sexueller Belästigung im Studio, auch sehr einfach. Zynisch, nicht wahr, das man die heutige Generation zu so etwas fähig halten muss.

Positive weibliche Hobbymodelle

Bei Hobbymodellen! werde ich mich auf Modelle, denen ich vertrauen kann, beschränken. Die Liste enthält weder männliche Modelle, noch Agenturmodelle, da dort keine Positivliste notwendig ist.

Bei Hunderten von Shootings über die Jahre (alleine 88 in 2018) sagt diese geringe Anzahl positiver Hobbymodellen wohl alles.

Wer von denen (ich hoffe das ich niemanden vergessen habe) oder von mit mir befreundeten Fotografen eine Referenz erhalten kann, natürlich auch.

Ansonsten, erlaube ich mir eine sehr hohe Skepsis bei Modellen die nicht professionell arbeiten wollen. Ich schließe es nicht aus, werde mir aber jede Bewerberin im Detail anschauen.

Weibliche (Agentur)Modelle

Über Agenturmodelle und New Faces braucht man, im positiven Sinne, eigentlich nicht reden.

Dort geht das Leben ganz normal und wie gehabt weiter.

Männer

Bisher war noch keine Rede von Male Models. Warum? Weil es dort (aktuell) nichts Negatives zu berichten gibt. Ich mache nicht viele Sedcards/Shootings mit männlichen Modellen, aber dort habe ich noch keine negativen Erfahrung machen müssen. Komisch, nicht wahr?

P.S. Das Artikelbild ist nur für diejenigen, die noch nicht wissen, was ich aktuell so treibe.